Vier Favoriten kämpfen um zwei Sitze im Bundesrat

Aktualisiert am 03.09.2010

Die SP schickt Jacqueline Fehr und Simonetta Sommaruga ins Rennen. Die FDP nominiert Karin Keller-Sutter und Johann Schneider-Ammann.

Von Markus Brotschi und David Schaffner, Bern

SP und FDP setzen bei den Bundesratswahlen vom 22. September auf sichere Werte. Beide Parteien haben gestern die klaren Favoriten zu den offiziellen Kandidaten gekürt. Bei den Sozialdemokraten haben die Bernerin Simonetta Sommaruga und die Winterthurerin Jacqueline Fehr das Rennen gemacht. Die freisinnigen Bundesratsanwärter heissen Karin Keller-Sutter und Johann Schneider-Ammann.

Offen ist, welche Rolle bei der weiteren Ausmarchung die Herkunft der Kandidaten spielt. Die Ausgangslage ist nicht frei von Konflikten: Mit Schneider-Ammann und Sommaruga wollen zwei Berner in die Landesregierung. Viele bürgerliche Politiker sagen, es dürften nicht gleich zwei Vertreter des grössten Subventionsempfängers unter den Schweizer Kantonen ins Schaltzentrum der Macht gelangen. Für viele Parlamentarier dürfte jedoch auch die Herkunft Fehrs ein Hindernis sein, da Zürich seit der Abschaffung der Kantonsklausel vor zehn Jahren während sechs Jahren mit zwei Bundesräten vertreten war und mit Ueli Maurer weiterhin ein Zürcher im Siebnergremium mitregieren wird. Käme es nach Moritz Leuenbergers Rücktritt erneut zu einem Zürcher Doppel, würde dies im einwohnerstärksten Kanton Gelüste auf eine ständige Zweiervertretung wecken, so die Befürchtung mittelgrosser und kleiner Kantone.

Überraschend schlecht schnitt bei der SP die Geheimfavoritin der Bürgerlichen ab: Die St. Galler Nationalrätin Hildegard Fässler erhielt bloss 11 Stimmen aus der 52-köpfigen Fraktion, gleich viele wie die Basler Regierungsrätin Eva Herzog. Ob Fässler damit ganz aus dem Rennen ist, bleibt abzuwarten. Sie selbst schloss nach dem Fraktionsentscheid die Annahme einer Wahl aus. Die SP bekräftigte zudem, dass keine der SP-Kandidatinnen gegen den Willen der Fraktion eine Wahl annehmen würde. Ob die Fraktion Fässler im Falle einer Wahl doch akzeptieren würde, liess Fraktionschefin Ursula Wyss gestern offen.

Bei der FDP schaffte es Keller-Sutter auf den ersten Listenplatz des Zweiertickets. Dies ist insofern eine Überraschung, als der Langenthaler Maschinenindustrielle Schneider-Ammann seit elf Jahren im Nationalrat sitzt und ein langjähriges Mitglied der Fraktion ist. Die St. Galler Sicherheitsdirektorin Keller-Sutter übte dagegen bisher kein politisches Mandat ausserhalb ihres Kantons aus. Die fehlende Erfahrung in den eidgenössischen Räten könnte für die 46-Jährige ein Nachteil sein.

Erstellt: 03.09.2010, 23:10 Uhr