Kälte lässt Leitungen bersten
Von Pascal Münger
An der Drusbergstrasse in Horgen schossen gestern kurz nach Mittag Fontänen aus dem Boden. Das Wasser floss hinunter auf die Einsiedlerstrasse und über den Kreisel Bergli. Ein Wasserrohr war gebrochen. Doch gefrieren konnte das Wasser gestern nicht: Der Strassendienst rückte sofot aus, um die überfluteten Teile zu salzen.
Es war nicht die einzige Wasserleitung, die im Bezirk Horgen in den letzten Tagen barst. Die unterirdischen Leitungen werden durch die enorme Kälte momentan enorm beansprucht. Am Sonntagabend brach auch eine Wasserleitung in Schönenberg auf. «Der Bruch ereignete sich bei der Zuleitung zur katholischen Kirche», sagt Brunnenmeister Hansueli Wagner. Bis zwei Uhr morgens musste er arbeiten, um das Leck zu stopfen. Zusätzlich bot er die Kantonspolizei auf, weil das auslaufende Wasser die Strasse vereist hatte.
Harter Boden setzt Rohren zu
Auch in der Stadt Adliswil spritzte Wasser aus dem Boden: An der Waldistrasse nahe dem Wildnispark Zürich barst am Samstagabend ein Wasserrohr. Paolo Tripoli, Brunnenmeister der Erdgas Zürich und zuständig für die Wasserversorgung in Adliswil, sagt dazu: «Es handelte sich bei der betroffenen Leitung um ein veraltetes Modell, eine sogenannte Graugussleitung.»
Wenn die Erde in Bewegung ist, belastet das die Leitungen, die 1,2 bis 1,5 Meter unter der Erde liegen. Kunststoffleitungen und Duktilgussleitungen, mit denen man seit einigen Jahren die alten Graugussleitungen ersetzt, sind elastischer und können Bodenbewegungen besser aushalten. «Viele Leitungen in Adliswil konnten aber noch nicht erneuert werden», sagt Brunnenmeister Tripoli. Nur 1 bis 2 Prozent des 80 Kilometer langen Netzes würden pro Jahr ersetzt.
Nächster Härtetest kommt
Dem Kilchberger Leitungsnetz konnte die aktuelle Kälteperiode bislang nichts anhaben. «Wir haben ein relativ neues Netz», sagt Heinz Wernli, Leiter Tiefbau und Werke. Der nächste Härtetest stehe aber vor der Tür: «Wenn die Temperaturen wieder steigen, ist der Boden erneut in Bewegung.»
Darum bleibt die Situation noch einige Tage heikel für die Brunnenmeister. Der Oberriedner Christian Hauser sagt: «Bis jetzt ist noch nichts passiert, aber es könnte jederzeit zu einem Rohrbruch kommen.» Vor der gleichen Situation steht Rolf Baumbach, Leiter Werke Wädenswil. Momentan sei es jedoch erstaunlich ruhig.
Gion Hartmann, Leiter Infrastruktur in Thalwil, ist ebenfalls gelassen: Es habe am Wochenende zwar einen kleinen Rohrbruch gegeben. Es sei aber noch alles im Rahmen der fünf bis sieben Brüche, die man jedes Jahr in der Thalwiler Hauptleitung verzeichne.
Die Horgner Drusbergstrasse stand gestern unter Wasser. Foto: André Springer
Erstellt: 07.02.2012, 06:38 Uhr
