Jeder Gegenstand ist online

Von . Aktualisiert am 26.05.2009

«Das Internet verlagert sich schrittweise in die Objekte hinein», so lautet die Prognose des Informatikprofessors Friedemann Mattern von der ETH.

Der Rasensprenkler kennt die Wettervorhersage und wässert den Garten dementsprechend grosszügig oder zurückhaltend. Die Heizung im Haus fährt sich selbst herunter, wenn die Bewohner weiter weg sind, – und wenn diese sich dem Heim nähern, wird wieder mehr geheizt.

So sieht Friedemann Mattern die Zukunft des Internets. «Das Internet verlagert sich schrittweise in die Objekte hinein», erklärt der ETH-Professor für Informatik und Verfechter der Theorie des «Internets der Dinge». Alltagsgegenstände würden mit Diensten im Internet verknüpft. Dies werde mittels kleiner, drahtloser Computerchips geschehen, der sogenannten Radio Frequency Identification (RFID).

In der einfachsten Anwendung geben die winzigen RFID-Chips lediglich Auskunft darüber, dass sie anwesend sind. Dies werde etwa in der Logistik verwendet, indem jedes Produkt oder jeder Container mit einem solchem Chip versehen wird. «RFID-Chips kosten heute noch 10 bis 20 Rappen», sagt Mattern – und sie funktionieren ohne Batterie. Jedes Mal, wenn sie ein elektromagnetisches Feld durchlaufen, erhalten sie genügend Energie, um ein Signal auszusenden, etwa die Identifikationsnummer des Pakets.

Sensoren für alles Mögliche

Eine weiter gehende Anwendung erlaubt laut Mattern die Lokalisierung von Dingen – so könnte etwa ein verlorener Schlüsselbund dank einem Anhänger mit Funk-Chip wieder gefunden werden: Im Internet könnte der Besitzer nachschauen, wo der Schlüsselbund zuletzt von einer Funkstation geortet wurde. Ist die Technik genug weit fortgeschritten, könnten die Chips mit beliebigen Internetdiensten verbunden werden – wie etwa der eingangs erwähnte Gartensprenkler mit der Wettervorhersage im Internet. Dies möge banal klingen, sagt Mattern, doch auch deutlich komplexere Anwendungen seien denkbar.

Und mit der zunehmenden Leistungsfähigkeit der Technik werde es auch ganze Netze von RFID-Chips geben: Verstreut über Wald oder Landwirtschaftsland könnten diese etwa Auskunft über Wassergehalt oder Temperaturen (Brände) geben. Die Informationen werden von Chip zu Chip bis zu einer Basisstation weitergefunkt. In der Schweiz komme dieses Prinzip bereits für die Beobachtung von Gletschern zum Einsatz, sagt Mattern. (sul) (Der Bund)

Erstellt: 26.05.2009, 09:56 Uhr

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