Zeitung heute

Japanisches aus der Schweiz

Von Christoph Neidhard, Tokio. Aktualisiert am 07.10.2009

Eine japanische Kamera «made in Switzerland»? Kein Problem, sofern die Firma ihr Europaquartier in der Schweiz angesiedelt hat. Dies soll

künftig noch öfter geschehen.

Der Trick ist einfach, wie am Beispiel eines Camcord-Herstellers gezeigt werden kann: Die japanische Firma lässt ihre Camcorder in der Schweiz endfertigen oder verlegt einen Teil ihrer Entwicklung in die Schweiz. Das erlaubt der japanischen Firma, die Schweiz als Herkunftsland der Geräte zu deklarieren. Unter dem Freihandelsabkommen der Schweiz mit der EU kann das Unternehmen anschliessend die Videokameras zollfrei in die EU exportieren. Immer vorausgesetzt, die Firma aus Japan siedelt ihr Europaquartier in der Schweiz an. Dieser Trick steht in einer Studie der Beratungsfirma Ernst & Young. Vorgestellt wurde das Papier gestern in Tokio anlässlich einer Veranstaltung zum Inkrafttreten des Freihandelsabkommens zwischen Japan und der Schweiz. Daniel Küng, Chef der Exportförderungsorganisation Osec, erklärte dem japanischen Publikum, dass seit 1998 rund 180 internationale Firmen ihre regionalen Hauptquartiere in der Schweiz eröffnet haben. Fast alle stammen aus den USA, darunter so prominente Namen wie Google. Von den Japanern sind es Nissan und Hitachi, die ihre Europamärkte bereits aus der Schweiz versorgen.



Export nach Japan gestiegen

Während mit Schweizer Investitionen rund 65000 Jobs in Japan geschaffen wurden, sind die japanischen Investitionen in der Schweiz bisher mit 4000 Stellen bescheiden. Sie erwarte eine Zunahme japanischer Direktinvestitionen in der Schweiz, sagte Bundesrätin Doris Leuthard in Tokio. Mit dem seit September gültigen Abkommen sind fast alle Zölle zwischen den beiden Ländern abgeschafft worden. Trotz der Wirtschaftskrise stiegen die schweizerischen Exporte nach Japan um 6 Prozent. Darunter fallen vor allem Pharmazeutika, vorab das Grippemittel Tamiflu.

Die Schweiz ist das erste europäische Land, mit dem Japan die Handelsschranken aufgehoben hat. Über ein ähnliches Abkommen mit der EU wird zwar gesprochen. Aber bisher sperrte sich die europäische Autoindustrie dagegen. Marc Bunch, einer der Autoren der Studie von Ernst & Young, betonte, in der EU dauerten solche Entscheidungen lange. Die Schweiz sollte dieses Zeitfenster ausnützen und japanischen Firmen weitere Standortvorteile – beispielsweise die tiefen Steuern – schmackhaft machen.

Heikles Lob für China

Japan verhält sich international oft wenig kompromissbereit. Während China mit einer ganzen Reihe von Ländern Freihandelsabkommen vereinbart hat, isolierte sich Tokio in den letzten Jahren. Auch über dem Schweizer Anlass in Tokio tauchte der Schatten Chinas immer wieder auf. Martin Huber von Georg Fischer betonte einerseits, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Japan gerade für den Werkzeugmaschinenbau sei. An anderer Stelle lobte Huber die gute Ausbildung, die Motivation, den Fleiss und die Englischkenntnisse in den chinesischen Partnerfirmen: Was in der Schweiz oder Japan sechs Monate daure, schaffe ein chinesisches Team in sechs Wochen.

> (Der Bund)

Erstellt: 07.10.2009, 01:16 Uhr

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