Indexfonds in der Krise gefragt
Jahren. Aber erst seit Ausbruch der Finanzkrise können sie sich richtig durchsetzen. Vorher waren sie den Anlegern zu langweilig und die Banken
verdienten zu wenig daran.
Die Finanzmarktkrise zwingt zum Umdenken. Wer vor zwei Jahren seinen Vermögensverwalter fragte, ob er ihm börsenkotierte Indexfonds ins Portefeuille lege, biss auf Granit: Der Verwalter bevorzugte komplizierte strukturierte Produkte. Heute kommt er kaum mehr um die Exchange Traded Funds (ETFs) herum.
ETFs sind Anlagefonds, welche einen Index nachbilden und täglich an der Börse gehandelt werden: Wer zum Beispiel einen Anteil eines SMI-Fonds kauft, beteiligt sich an einem Korb, in welchem Aktien der 20 grössten Schweizer Unternehmen enthalten sind. Der Fondsmanager hat keine Möglichkeit, irgendwelche übertriebenen Risiken einzugehen: Er muss genau den SMI nachbilden. Der Wert des Fondsanteils schwankt somit gleich wie die Gesamtbörse: Er sinkt nicht rascher als der SMI, aber er steigt auch nicht rascher.
Diese Einfachheit suchen die Anleger offenbar in der Krise. An der Schweizer Börse (SIX) stieg der Umsatz mit ETFs im vergangenen Jahr um 54 Prozent auf 36,8 Milliarden Franken. Der Zuwachs ist noch beachtlicher, wenn man bedenkt, dass im Jahr 2000 an der SIX gerade mal 250 Millionen Franken mit ETFs umgesetzt wurden. Zu beachten gilt es zudem, dass heute nur 20 bis 30 Prozent der ETFs an der Börse gehandelt werden – der grössere Teil wird ausserbörslich vermittelt.
Der Erfolg beschränkt sich nicht auf die Schweiz, wie Gregor Braun von der SIX an einem Seminar in Bern sagte: Weltweit erhielten die ETFs 2008 einen Neugeldzufluss von 214 Milliarden Dollar. Die in ETFs verwalteten Vermögen erlitten wegen der Börsenkrise trotzdem einen Rückgang: Sie sanken um 11 Prozent auf 711 Milliarden Dollar. Barclays Global Investor erwartet, dass dieser Wert bis Ende dieses Jahres auf 1 Billion Dollar ansteigen werde. Bis 2011 prognostiziert Barclays ein weltweites ETF-Vermögen von 2 Billionen Dollar.
Marktführerin CS expandiert
Marktführerin in der Schweiz ist die CS mit ihren Xmtch-ETFs. Allein der Xmtch auf den SMI brachte es im vergangenen Jahr auf einen Börsenumsatz von über 10 Milliarden Franken – das entspricht einem Marktanteil von über 40 Prozent, wie Beat Rüegg von der Credit Suisse an der ETF-09-Tour in Bern ausführte. Die Xmtch-Familie wird demnächst beachtlichen Zuwachs erhalten: Heute bietet die CS erst 8 börsenkotierte Indexfonds an, im Juni wird sie 30 neue auf den Markt bringen, wie Rüegg ankündigte.
Die 30 neuen Fonds werde sie mit demselben Personalbestand bewältigen können wie bisher. Das Geschäft mit Indexfonds sei weitgehend automatisiert, sagte er. Kosteneinsparungen ergeben sich, weil die Fondsmanager keine Marktanalysen vornehmen müssen. Sie sind verpflichtet, im Boom und in der Baisse stur den Index nachzubilden.
Die Erfahrung zeigt, dass die Anleger damit nicht schlecht fahren. Denn nur wenige Fondsmanager schaffen es, über eine längere Zeitdauer den Index regelmässig zu schlagen.
Niedrige Spesen und Gebühren
Für die Anleger haben ETFs deshalb mehrere Vorteile: Sie sind leicht verständlich, sie schneiden nie schlechter ab als der Durchschnitt und die Spesen sowie Gebühren sind vergleichsweise tief. Das ist auch der Grund, weshalb die Vermögensverwalter bis vor Kurzem bei ETFs die Nase rümpften: Die Banken verdienen daran deutlich weniger als an andern Produkten. Analysten und Fondsmanager müssen um ihre Stellen bangen, wenn sich ETFs breit durchsetzen.
Das scheint sie erfinderisch zu machen. Neben ETFs, die einen Aktien- oder Obligationenindex nachbilden, gibt es auch ETFs auf einen bestimmten Rohstoffindex oder auf einen Geldmarktindex. Damit nicht genug: Es gibt auch ETFs, welche den zugrundeliegenden Index nur synthetisch nachbilden: Sie investieren in andere Wertpapiere als jene, welche im Index enthalten sind. Eine Bank garantiert, dass sich der Fonds trotzdem so entwickelt wie der Index. Sie zahlt nach, wenn der Fonds nach unten abweicht und sie schöpft ab, wenn er sich nach oben entwickelt.
Zocker-ETF locken
Und dann gibt es neuerdings auch die ETFs mit Hebel: Der Fonds nimmt zusätzlich zum Anlagebetrag ein Darlehen in gleicher Höhe auf. Wenn der Fondswert steigt, erzielt der Anleger den doppelten Gewinn. Wenn es abwärts geht, fällt aber auch der Verlust doppelt so hoch aus. Das tönt schon fast nach den Zocker-Produkten der jüngeren Vergangenheit.
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Erstellt: 20.05.2009, 01:17 Uhr







