Zeitung heute

Handy statt Computer

«Es wird keinen Unterschied zwischen on- und offline mehr geben», sagt Gerd Leonhard, ein Spezialist für neue Medien voraus.

«Der Internetzugang am PC wird sich nicht durchsetzen.» Mit dieser Prognose überrascht Gerd Leonhard zuerst einmal. Das heisse nicht, dass der Computer vom Schreibtisch verschwinden werde – doch für die vielen künftigen Internetnutzer in den Entwicklungsländern werde er schlicht zu teuer sein. Dafür würden die bald 4 Milliarden Mobiltelefonbesitzer bald alle auch Internetnutzer sein. «Das Internet wird totaler Standard – so wie heute das Telefon», so Leonhard, der in Basel lebt und als selbst ernannter «Medienfuturist» einen viel beachteten Blog schreibt, Vorträge hält und Unternehmen wie Nokia, Siemens und BBC in Sachen Zukunftstechnologie beratet.

«In Zukunft wird man immer verbunden sein – es wird keinen Unterschied zwischen on- und offline mehr geben», sagt Leonhard. Alle bisherigen Medien würden in das Internet eingebunden werden.

Pauschale für Musikdownloads

In Sachen Musik- und Filmkonsum wird sich die «Flat Rate» durchsetzen, das heisst eine Pauschalgebühr, die der Nutzer wie den Internetanschluss monatlich bezahlt. In Korea beispielsweise gebe es bereits ein solches Angebot: Für monatlich 5 US-Dollar zuhanden der Plattenfirmen könne kostenlos und legal Musik heruntergeladen werden. Zusätzlich können die Nutzer Angebote wie den Zugriff auf Konzertaufnahmen oder Filmaufnahmen kaufen. In China habe Google ein ähnliches Angebot lanciert, bei welchem die Gebühr für die Urheberrechte jedoch über Werbeeinnahmen finanziert werde. «In der Schweiz werden noch relativ viele CDs gekauft», doch bereits in zwei bis drei Jahren werden solche Angebote laut Leonhard auch hierzulande erhältlich sein. «In einigen Jahren gilt dies auch für Filme, Fernsehen und elektronische Bücher.» Leonhard spricht dabei von «drastischen Veränderungen». Von der bisherigen Idee, Medienprodukte wie Musikstücke würden «pro Kopie» verkauft, müsse sich die Industrie verabschieden.

Auch in der Kommunikation sieht der «Medienfuturist» Veränderungen bevorstehen: Soziale Netzwerke wie Facebook wollen gemäss Leonhard ihr Angebot ausweiten – und sie werden andere Kanäle wie E-Mail verdrängen. (sul)

www.mediafuturist.com (Der Bund)

Erstellt: 26.05.2009, 09:57 Uhr

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