Zeitung heute
Aufwärtstrend wird schwächer
Die Anleger sind vorsichtiger geworden und fragen sich: Handelt es sich um eine technische Reaktion, oder hat sich die konjunkturelle Ausgangsbasis verschlechtert?
Wer heute noch einsteigt, der beweist Mut und Zuversicht. Seit dem Tiefststand vom März dieses Jahres sind die Kurse durchschnittlich um gut 30 Prozent gestiegen – von einem tiefen Niveau aus, aber immerhin. Die Erholung basierte auf handfesten Treibern, auf schneller als erwartet zuversichtlich stimmenden Konjunkturindikatoren. Inzwischen haben die meisten massgebenden Konjunkturprognostiker ihre negativen Wachstumsraten für das laufende Jahr etwas zurückgeschraubt und für das kommende Jahr sogar ein Wachstum für das Bruttoinlandprodukt (BIP) in Aussicht gestellt. Mit einer Ausnahme: Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) senkt ihre Prognose für das laufende Jahr. Die Schweizer Wirtschaft werde um 3,4 Prozent schrumpfen statt wie bisher angenommen um 3,3 Prozent (siehe Seite 14).
Warnsignale
Die Investoren haben eine Verschnaufpause eingelegt. Das war nicht nur eine technische Reaktion in Form von Gewinnmitnahmen, sondern eine Antwort auf die jüngsten Wirtschaftsdaten. Die Rückschläge sind nicht gross, aber sie bedeuten ein Warnsignal. Die Dynamik des Börsenaufschwungs hat bereits in den Vorwochen nachgelassen.
Mit Sperberaugen beachten die Anleger den amerikanischen Häusermarkt. Nach vier Monaten, in denen die Verkäufe von bestehenden Wohnungen und Einfamilienhäusern stiegen, sind die Verkaufszahlen im August gesunken. In Japan verlieren die Ausfuhren an Schwung; im August brachen die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahresmonat um 25 Prozent ein. Der nachgebende Ölpreis kann ein Signal für ein Nachlassen der globalen Wirtschaftskraft sein.
Auch positive Konjunkturdaten machten in den letzten Tagen die Runde. Die Stimmung unter den deutschen Unternehmern (gemessen am Ifo-Index) hat sich im September erneut verbessert; er fiel jedoch schwächer als erwartet aus.
Interessant dabei ist, dass die Manager die aktuelle Geschäftslage weiterhin als sehr schlecht beurteilen. Und in den USA sind die Erstanträge auf Arbeitslosengeld in der Woche zum 19. September stärker gesunken als erwartet.
Schwierig zu beurteilen ist, wie stark die Konjunkturprogramme der einzelnen Staaten und die Abwrackprämien für Autos zur Erholung der Wirtschaft beigetragen haben und wie sich das Auslaufen dieser Programme auswirkt.
Nicht zuletzt stellt sich die Frage, wie lange während eines nachhaltigen Aufschwungs das Preisniveau gehalten und damit die Inflation in die Schranken verwiesen werden kann. Steigende Zinsen der Notenbanken als Mittel gegen die Teuerung wären Gift für die Aktienmärkte. Ratsam ist, die nächsten Wochen abzuwarten und darauf zu achten, wie sich das Verhältnis der positiven zu den negativen Indikatoren verändert.
Syngenta unten
Die Syngenta-Aktie büsste an den letzten fünf Handelstagen rund 10 Prozent an Kurswert ein. Die Gründe liegen zum einen in einem Bericht der Citigroup, die im Agro-Sektor Enttäuschungspotenzial ausmacht. Konkurrenten wie Bayer, Potash oder Monsanto haben bereits ihre Prognosen leicht reduziert. Jetzt wird befürchtet, dass dies auch bei Syngenta passieren könnte. Dazu belasteten zwei pessimistische Analystenkommentare zum grössten Düngemittelhersteller Yara die Branche insgesamt.
Auf der Gewinnerliste steht die in der Kabelverarbeitung und Montageautomation tätige Komax ganz oben. Der Titel zieht Nutzen aus dem wieder erwachten Interesse an Solarwerten. Die Luzerner Firma hat an einer Messe in Hamburg neue Maschinen zur Fertigung von Solarmodulen angekündigt.> (Der Bund)
Erstellt: 26.09.2009, 01:16 Uhr



