25-Dollar-Kredit nach Togo

Von . Aktualisiert am 29.07.2009

«Seifen, Schönheitslotionen und andere Waren» möchte Roukea Mamadou für ihren Laden in Adeta im westafrikanischen Togo einkaufen. Die 42-Jährige, sie ist verheiratet und Mutter von drei Kindern, benötigt für den Ausbau ihres Sortiments insgesamt 675 US-Dollar – den Kredit möchte sie nach 13 Monaten abbezahlt haben.

Das Geld leiht sie sich nicht bei einer lokalen Bank, sondern bei einer Deutschen, einem Norweger, einer Engländerin, drei Amerikanern und bei weiteren Internetnutzern aus der westlichen Welt. 250 Dollar wurden Mamadou bisher zugesichert. Kiva heisst die Plattform, die die Vergabe von Mikrokrediten in Entwicklungsländer ermöglicht. Dabei arbeitet eine kalifornische Non-Profit-Organisation mit über 100 lokalen Organisationen in Süd- und Mittelamerika, Afrika, Asien und Osteuropa zusammen. Diese sammeln bei Kleinstunternehmern Kreditbegehren und übermitteln sie an Kiva. Auf der Internetseite kann dann jedermann die Projekte begutachten und sich mit mindestens 25 Dollar an den Mikrokrediten beteiligen.

Über 84 Millionen Dollar konnte Kiva so seit 2005 an 120000 Projekte vergeben. Fast 83 Prozent der Kredite gingen an Frauen – wegen deren verantwortungsvollerem Umgang mit dem Geld. Die Rückzahlungsquote beträgt denn auch 98,6 Prozent. Das heisst, fast alle der 530000 Kreditgeber haben ihr Geld zurückerhalten – ohne Zinsen, aber im Wissen, einer Kleinstunternehmerin geholfen zu haben. Die Kreditnehmer bezahlen dennoch einen gewissen Zinssatz, um die lokalen Kreditorganisationen zu finanzieren. Ganz unumstritten ist das Prinzip der Mikrofinanz jedoch nicht. Die tiefen Zinsen würden die lokalen Finanzsysteme untergraben, so ein Argument der Kritiker. (Der Bund)

Erstellt: 29.07.2009, 08:27 Uhr

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