Ghadhafi feiert und lässt feiern

Von Astrid Frefel, Kairo. Aktualisiert am 02.09.2009

Ohne westliche Magistraten, aber mit einer Show von internationalem Flair begannen die mehrtägigen Festivitäten zum 40. Jubiläum der Revolution.

Feuerwerk, Militärparade, italienische Kunstflugstaffel, Militärmusiken aus 17 Ländern, Tanz und Lichtspiele in allen Farben: Das waren nur einige der Programmpunkte auf dem libyschen Festprogramm. Am 1. September 1969 hatte Moammer al-Ghadhafi in einem unblutigen Militärputsch die Macht an sich gerissen. Während mehreren Tagen wird seine 40-jährige Regentschaft jetzt gefeiert. Ghadhafi selbst hatte mit einem Spektakel auf der ehemaligen US-Militärbasis Matega in der Nähe von Tripolis im Morgengrauen die Jubelfeiern eröffnet.

Wegen des Fastenmonats Ramadan finden alle Veranstaltungen bei Dunkelheit statt. Zehntausende Libyer strömten am Dienstagabend zum grossen Höhepunkt auf dem «Grünen Platz» im Stadtzentrum. Dort war eine mächtige Bühne in der Form eines Beduinenzeltes aufgebaut worden. Auf der angrenzenden Wiese spiegelte sich das Wasser eines künstlichen Teichs. Ein französischer Regisseur – Libyen wollte Offenheit demonstrieren – inszenierte das 90-minütige Epos in 16 Bildern unter dem Titel «Ritter und Reiter».

Libyer wenig enthusiastisch

Die Libyer waren allenfalls neugierig, aber wenig enthusiastisch. «Nur 150 Meter von den Offiziellen weg fluchen sie wie die Rohrspatzen über diese Regierung», beschreibt eine Ausländerin, die seit Langem in Tripolis lebt, die Stimmung, wie sie sie in diesen Tagen erlebt hat. Geflucht wird vor allem über die mangelhafte Grundversorgung im eigentlich reichen Ölstaat, etwa über die Tatsache, dass in der Notfallstation eines Spitals weder Spritzen noch Pflaster zu finden sind.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat Ghadhafi dazu aufgefordert, die politischen Gefangenen zu befreien. 40 Jahre nach der Veröffentlichung des «Grünen Buches» würden die Menschen immer noch auf ihre Rechte warten. Der Oberst begnügte sich damit, in einer Amnestie mehrere Todesurteile in lebenslängliche Gefängnisstrafen umzuwandeln.

Ghadhafi hatte dafür gesorgt, dass die Gästeliste auch eine stattliche Zahl von Staatsoberhäuptern enthielt. Nach dem Affront mit dem Empfang des Lockerbie-Attentäters waren die Europäer meist nur durch Botschafter vertreten. Italiens Premier Silvio Berlusconi weilte am vergangenen Sonntag einige Stunden in Libyen. Gefeiert wurde das einjährige Bestehen des bilateralen Freundschaftsvertrages. Frankreich schickte Staatssekretär Alain Joyandet, der seinen Aufenthalt zur Einweihung eines renovierten Spitals in der Stadt Benghazi nutzte. Dazu hatten sich die Europäer 2008 verpflichtet, um die wegen einer angeblichen HIV-Verseuchung zum Tode verurteilten bulgarischen Krankenschwestern freizubekommen.

Verzögerungen im Zeitplan

Die Vorbereitungen auf das Fest dauerten Jahre. In den letzten Wochen und Monaten wurden Strassen ausgebessert und die Arkaden der Häuser aus der italienischen Kolonialzeit bekamen einen neuen weissen Anstrich. Auch ausländische Firmen wurden um «freiwillige» Beträge angegangen. Neue Hotels eröffneten, um dem internationalen Ansturm gerecht zu werden und aus dem «Man Made River», dem riesigen Bewässerungsprojekt, floss zum ersten Mal Wasser nach Tripolis und Benghazi.

Viele der ehrgeizigen Vorhaben, mit denen der neue Schwung nach dem Ende der Sanktionen 2003 dokumentiert werden sollte, sind aber nicht rechtzeitig fertig geworden. Dazu zählen der neue Flughafen, die Flughafenautobahn oder ein neues Gebäude für den Volkskongress in Tripolis. Auch die politischen Reformen mit einer Verfassung und demokratischen Wahlen, die der Präsidentensohn Seit al-Islam versprochen hatte, sind nicht einmal ansatzweise umgesetzt worden. Der Langzeitherrscher sah dennoch genug Grund, ausgiebig zu feiern. Nach den Festivitäten in der Hauptstadt folgen in den nächsten Tagen ein Kamel-Festival in der Wüste mit den Tuareg und Anlässe in den antiken Küstenstädten von Leptis Magna und Sabratha. (Der Bund)

Erstellt: 02.09.2009, 09:48 Uhr

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