Zeitung heute

Gewinn sinkt wegen neuer Projekte

Aktualisiert am 09.04.2009

Der Tamedia-Konzern, zu welchem auch der «Bund» gehört, hat sich 2008 in einem schwierigen Umfeld gut behauptet. Der Gewinn ist wegen Sondereffekten um einen Drittel gesunken. Der Rückgang bei den Inseraten wird erst 2009 voll spürbar.

«Blicke ich auf das Geschäftsjahr 2008 zurück, stelle ich fest, dass wir unsere unternehmerischen Ziele trotz dem zunehmend schwierigen Umfeld erreicht haben», sagte Tamedia-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino gestern an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich.

Der Konzerngewinn ist zwar um rund 30 Prozent auf 105 Millionen Franken zurückgegangen; deshalb sinkt die Dividende. Aber das Vorjahresergebnis war dank Firmenverkäufen sowie einer Steuerrückzahlung optisch zu hoch ausgefallen. Zudem steckte der Konzern im Jahr 2009 grosse Mittel in neue Projekte wie die Gratiszeitungen «News», «20 minutes» in der Romandie und «L’Essentiel» in Luxemburg sowie die neue Internetplattform «Newsnetz».

Diese Investitionen in die Zukunft führten zu auseinanderklaffenden Tendenzen: Der Konzernumsatz der Tamedia ist um einen Fünftel auf 898 Millionen Franken gestiegen. Hauptgrund ist, dass die Espace Media erstmals ein ganzes Geschäftsjahr zum Umsatz beigetragen hat. Dagegen zeigen trotz Integration der Espace Media alle Ertragskennzahlen nach unten.

Die aus Sicht der Konzernleitung wichtigste Zielgrösse ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit). Dieser ist um einen guten Zehntel auf 119 Millionen Franken gesunken. Die Ebit-Marge ist von 18 auf 13,3 Prozent des Umsatzes zurückgegangen. Damit liegt sie unter der langfristig angestrebten Bandbreite von 15 bis 20 Prozent des Umsatzes.

Espace muss mehr verdienen

Diese Zielgrösse stellt vor allem für die Espace Media mit «Berner Zeitung», «Bund» und andern Medien eine Herausforderung dar. Denn sie erreichte im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 225 Millionen Franken eine Ebit-Marge von «nur» 9,2 Prozent. Das ist zwar im Branchenvergleich respektabel. Aber laut Tamedia-Konzernchef Martin Kall gibt es keinen stichhaltigen Grund, warum die Espace-Media-Gruppe in Zukunft nicht auch einen Ebit von 15 Prozent und mehr erreichen könnte. Wenn die Aufbaukosten für «News» und «Newsnetz» wegfallen, könnte es einen Aufwärtsschub geben.

«Bund» erleidet Verlust

Die gedruckten Medien sind weiterhin das Hauptgeschäft der Tamedia. Über 70 Prozent des Umsatzes entfielen auf den Bereich Zeitungen. Die Ebit-Marge war mit 11 Prozent leicht unterdurchschnittlich. Im Vorjahr hatte sie noch 18 Prozent betragen.

«20 Minuten» dürfte auch im vergangenen Jahr eine Goldgrube gewesen sein. Als einzige Zeitung hat das Gratisblatt seine Leserzahlen im vergangenen Jahr gesteigert – um fast 10 Prozent auf 1,4 Millionen. Zusammen mit «20 minutes» in der Romandie ergibt das «laut Kall jetzt – im Frühjahr 2009 – täglich über 2 Millionen Leserinnen und Leser.

Die «Berner Zeitung» erlitt wegen rückläufiger Inserateeinnahmen einen Umsatzrückgang. Aber sie weist weiterhin ein «stabiles Ergebnis» aus. Der «Bund» hatte im Vorjahr erstmals seit einer langen Periode ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt. Im Jahr 2008 erlitt er einen Umsatzrückgang und als Folge davon einen «deutlichen Verlust».

Noch wenige Nutzer im Internet

Die elektronischen Medien haben zwar ihren Umsatz um mehr als einen Drittel erhöht. Mit 85 Millionen Franken macht er aber weiterhin nur einen Zehntel des Konzernumsatzes aus. Und der Ebit war mit 2 Prozent mager. Auch die Nutzerzahlen sind noch relativ tief: Zwar wird «20 Minuten Online» täglich von 200000 Nutzern angeklickt. Aber das ist nur ein Zehntel der Leserzahl der gedruckten Gratiszeitung «20 Minuten». Konzernchef Kall zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die Nutzerzahlen steigen werden. Dann werde automatisch auch die Werbung ins Netz verlagert. Wenig Chancen gibt er der Idee, für Inhalte auf dem Internet Geld zu verlangen.

Edipresse muss noch warten

Noch nicht vollzogen ist der Einstieg bei der Edipresse. Die Tamedia muss der Wettbewerbskommission (Weko) zuvor Unterlagen über 205 Teilmärkte abliefern. Es geht darum, ob sie wegen der Fusion zum Beispiel bei Golfzeitschriften marktbeherrschend werden könnte. Eine weitere grosse Übernahme sei nicht geplant, sagte Verwaltungsratspräsident Supino. Die Tamedia könnte sie weder organisatorisch noch finanziell verkraften.

Belastet werden Umsatz und Gewinn im laufenden Jahr durch den Einbruch im Inserategeschäft. Konzernchef Kall rechnet bis ins Jahr 2011 hinein mit rückläufigen Inserateeinnahmen.







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Erstellt: 09.04.2009, 01:17 Uhr

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