Über Ostern reden

Von . Aktualisiert am 29.05.2009

Schülerinnen und Schüler sollen in der Volksschule stärker für Feiertage wie Ostern, Auffahrt und Pfingsten sensibilisiert werden. So will es der Berner Stadtrat.

Lehrkräfte sollen ihre Schützlinge jedes Jahr vor jedem gesetzlichen Feiertag kurz über Sinn und Inhalt des bevorstehenden Festtags informieren. Das verlangt eine dringliche Motion, die gestern im Parlament mit 32 Ja zu 29 Nein (bei zwei Enthaltungen) angenommen wurde. Eingereicht hat den Vorstoss die GFL/EVP-Fraktion, die es irritierend findet, wenn «Schulabgänger Ostern in erster Linie mit Osterhasen und Eiern assoziieren». Die Lehrerschaft müsse nicht exzessiv über die Bedeutung von Ostern referieren, meinte Daniela Lutz (gfl), eine der beiden Motionärinnen. «Eine Stunde oder auch nur Teil einer Schulstunde reichen vollauf.»

«Wissen, warum sie frei haben»

Martin Schneider unterstützte das Anliegen im Namen der BDP/CVP-Fraktion: Verständnis für die Kultur des Einwanderungslands sei die Grundbedingung zur Integration. «Die Schüler müssen wissen, warum sie frei haben.» Auch findet es Schneider «extrem wichtig», sie über die verschiedenen Kulturen aufzuklären «in einer Welt, die immer mehr zusammenwächst». Philippe Müller (fdp) betonte die Wichtigkeit des Wissens um die Hintergründe der abendländischen Kultur. Diese Werte seien mitverantwortlich, warum diese Kultur vergleichsweise erfolgreich sei. Ihre grosse Stärke sei insbesondere ein hohes Mass an Aufgeklärtheit und Toleranz im Vergleich mit anderen Glaubensrichtungen.

Den Grünliberalen ist der Vorstoss zu stark auf die christlichen Feiertage fokussiert. Es bestehe die Gefahr der Missionierung, warnte Michael Köpfli. Cristina Anliker-Mansour (gb) verwies auf den bestehenden Lehrplan: «Dieser genügt, um die Forderungen der Motionärinnen zu erfüllen.» Giovanna Battagliero (sp) erklärte, sie sei irritiert über gewisse Formulierungen im Vorstoss. Ihre Partei unterstütze ihn nicht; sie sei jedoch bereit, zu einem späteren Zeitpunkt eine umfassende Ethikdiskussion zu führen.

Olibets Worte blieben ungehört

«Wertebildung und religiöser Unterricht gehören in die Schule», sagte Schuldirektorin Edith Olibet (sp). Doch für die pädagogischen Inhalte und inhaltlichen Vorgaben sei der Kanton zuständig. «Er bestimmt über den Lehrplaninhalt.» Der Gemeinderat könne auch nicht von sich aus einen neuen Feiertag einführen. (ruk) (Der Bund)

Erstellt: 29.05.2009, 08:46 Uhr

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