Zeitung heute
Zur Sache: «Eiserne Ration Knowhow»
«Bund»: In Bern wird neu ein Diplomlehrgang für Gemeindepolitikerinnen und -politiker angeboten. Sind die hiesigen Behördenmitglieder nicht sattelfest genug?
Lorenz Hess: Doch, die ganz grosse Mehrheit der Gemeindepolitiker ist der Aufgabe gewachsen oder wird es in der Praxis sehr rasch sein. Aber die Aufgaben werden zunehmend anspruchsvoller. Deshalb kann es nur nützen, wenn dieser Entwicklung mit einer «Qualitätssteigerung» begegnet wird. Ganz nebenbei macht sich jede Weiterbildung in einem Curriculum gut. Und vor allem: Sie kann das oft fälschlicherweise belächelte Gemeinderatsamt aufwerten.
Sie sind selbst Gemeinderat. Wie macht sich die Problematik in Ihrer Gemeinde bemerkbar?
Die Gemeinderäte bringen völlig unterschiedliche Kompetenzen und Erfahrungen in den Rat. Das ist ein Vorteil in einer Exekutive. Trotzdem haben wir festgestellt, dass es wünschenswert ist, wenn alle in den wesentlichen kommunalen Politikbereichen über den gleichen Grundstock an Wissen verfügen würden. Das wurde sogar als Ziel formuliert. Massgeschneiderte und bezahlbare Ausbildungsangebote waren jedoch Mangelware. Diese Lücke ist mit dem Lehrgang geschlossen. Allerdings betrifft das erfahrene Behördenmitglieder kaum mehr.
Tritt ein Ausbildungsmarathon an die Stelle des klassischen Hocharbeitens innerhalb einer politischen Gruppierung? Kurz: Ersetzt die Schule die Partei?
Nein. Für die Politiksensibilisierung und das Rekrutieren von Behördenmitgliedern haben die Parteien nach wie vor eine zentrale Bedeutung. Aber: Das konkrete Wissen, insbesondere was Gemeindeführung sowie Rechte und Pflichten der Behörde angeht, kann man sich nur bedingt in der Partei aneignen. Und nicht zu vergessen: Bei der Suche nach Personen, die heute bereit sind, ein Amt zu übernehmen, kann das «Hochdienen» nicht mehr als Bedingung vorausgesetzt werden; auch Quereinsteiger sind gefragt – und diese können sich nun im Lehrgang die «eiserne Ration» an Knowhow aneignen. (Der Bund)
Erstellt: 16.09.2009, 07:35 Uhr




