Zeitung heute

«Widerstand wirkte in Zürich»

Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 19.05.2009

Der «Bund» lebt. Mark Balsiger, PR-Fachmann und Initiant des Komitees «Rettet den ,Bund‘», sieht dies als Erfolg.

«Bund»: Sie sagten stets, in der neuen Zeitung müsse viel «Bund» drin sein. Ist das nun der Fall?

Mark Balsiger: Laut den Verantwortlichen kommt die Hälfte des neuen «Bund»-Inhalts aus der «Tages-Anzeiger»-Redaktion. Somit hoffe ich, dass er noch besser wird. Falsch und unsensibel ist es, den «Kleinen Bund» einzustellen, denn er hat eine grosse Fangemeinde.

Der Pressekenner Karl Lüönd billigt Ihrem Komitee eine «gewisse Rolle» zu. Fühlen Sie sich unterschätzt?

Tamedia fürchtete vor allem zwei Reaktionen: Den Verlust von vielen Abonnements und koordinierten Widerstand gegen eine Einstellung des «Bund». Mit dem Aufbau des Komitees bündelten wir den Widerstand, was die Wirkung in Zürich nicht verfehlte. Sonst hätte Tamedia die Fusion von «Bund» und «Berner Zeitung» durchgezogen. Dies zu verhindern, war unser Hauptziel.

Die Tamedia-Führungsetage hat die Zahl von 16 000 Unterschriften als eher mager empfunden.

Verwaltungsratspräsident Pietro Supino ist noch nicht lange Verleger. Vermutlich hat er die Zahl durch die Brille als früherer Banker betrachtet. Verlagsspezialisten, die ich kenne, beurteilen das ganz anders.

Sie haben angekündigt, dass das Komitee bestehen bleibt. Was werden Sie konkret unternehmen?

Der neue «Bund» muss für einige Jahre eine echte Chance bekommen. Tamedia steht in der Pflicht, die Versprechungen einzulösen. Der «Bund» muss endlich wieder professionell beworben werden. Ich möchte mit dem Komitee ein Monitoring aufziehen, welches dies überwacht. Sollten Abgänge in der Redaktion nicht ersetzt werden, machen wir das öffentlich.

Betreiben Sie mit dieser Aktion PR in eigener Sache?

Im angelsächsischen Raum gibt es Nachrufe auf Qualitätszeitungen. Dieser Journalismus droht auch bei uns zu verschwinden, wenn wir nicht Gegensteuer geben. Gerade in schwierigen Zeiten braucht es Qualitätsblätter wie den «Bund», den ich seit über 20 Jahren schätze. Nur sie geben Orientierung, ordnen ein, liefern Hintergründe und Analysen. Für diese Qualität kämpfe ich mit Herzblut, Knowhow und Zeit. Für die «Bund»-Rettung habe ich bislang 350 Stunden Fronarbeit geleistet, was 14 Stunden pro Woche entspricht. Es gibt Leute, die lieber Neid und Missgunst verbreiten, statt selber den Finger zu rühren.

Die Tamedia-Führung hat Taten angemahnt: Der «Bund» benötige Abonnemente und Inserate. Bei beidem ist auch das Komitee gefordert: Zum einen gehören ihm «Bund»-Abonnenten an. Zum andern besteht es aus Entscheidungsträgern der Wirtschaft, die über Werbebudgets verfügen. Was darf man von ihnen erwarten?

Etwa vier von fünf Mitgliedern unseres Komitees sind «Bund»-Abonnenten. Wir werden uns dafür einsetzen, dass diese Zahl steigt. Das reicht aber nicht: Es muss ein Ruck durch die Berner Bevölkerung gehen. Jetzt ist die Zeit, ein Abo zu lösen und der «Bund»-Redaktion Kredit zu geben! Sonst steht in einem Jahr Tamedia-CEO Martin Kall wieder mit der Motorsäge vor den Toren Berns. (Der Bund)

Erstellt: 19.05.2009, 08:35 Uhr

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