Zeitung heute

Vom Glauben in der Wirtschaft

Aktualisiert am 10.06.2009

Vertreter aus Wirtschaft und Kirche waren sich an einer Podiumsdiskussion in Münsingen einig: Die Kirche kann sich sehr wohl in der Wirtschaft einbringen, darf aber nicht besserwisserisch auftreten.

Welche Rolle spielt Ethik in der Wirtschaft? Welchen Beitrag kann die Kirche in Krisenzeiten leisten? Solche Fragen diskutierten Vertreter aus Kirche und Wirtschaft gestern Nachmittag an einem Podiumsgespräch in der reformierten Kirche Münsingen zum Thema «Krisenzeiten – Kirchenzeiten».

«Eigennutz und Gier sind notwendig für den Wettbewerb», sagte der ökonomische Berater Markus Saurer. Dem widersprach Abt Martin Werlen vom Kloster Einsiedeln. «Gier braucht es in der Wirtschaft auf keinen Fall», sagte er. Denn Gier bedeute, dass man etwa Geld und Ruhm zum höchsten Ziel und somit zu seiner Religion mache. Gegen einen gesunden Wettbewerb hatten aber weder Werlen noch Andreas Zeller, Synodalratspräsident der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, etwas einzuwenden.

Werlen erinnerte etwa daran, dass der Schweizer Wein durch die ausländische Konkurrenz stark an Qualität gewonnen habe. «Früher konnte man den Kranken einige Tropfen Zürcher Wein auf die Zunge träufeln. Wenn er sein Gesicht nicht verzog, konnte man sicher sein, dass er schon tot war», sagte er mit einem Schmunzeln.

Die Diskussionsteilnehmer waren einhellig der Meinung, dass sich die Kirche in der Wirtschaft einbringen kann. Eine wichtige Aufgabe sei es, den Leuten klarzumachen, dass es im Leben um mehr als nur um Erfolg und Geld gehe, sagte Zeller. So sei etwa die Suizidprävention ein zentrales Projekt der Kirche. Robert Knobel, Geschäftsleiter der Biral AG in Münsingen, sagte, dass sich die Wirtschaft im Umgang mit den Mitarbeitern an christliche Grundwerte erinnern soll: «Es ist zentral, dass man seinen Mitarbeitern mit Respekt entgegentritt», betonte er.

Saurer wies darauf hin, dass die Kirche nicht besserwisserisch Ratschläge erteilen dürfe. Damit war Werlen einverstanden. Die Kirche könne den Menschen aber sehr wohl die Augen für existenzielle Fragen öffnen. Umgekehrt könnten auch religiöse Menschen von Wirtschaftsfachleuten profitieren. Werlen: «Als ich die Verantwortung für das Kloster Einsiedeln übernahm, hatte ich von ökonomischen Fragen keine Ahnung. Auch ich konnte von der Wirtschaft lernen.»>

Erstellt: 10.06.2009, 01:16 Uhr

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