Zeitung heute

Kontrollierte Abgabe von Heroin rege genutzt

Von Klaus von Muralt. Aktualisiert am 22.04.2009

Die öffentliche Stelle Koda (Kontrollierte Drogenabgabe) in Bern hat den Jahresbericht 2008 veröffentlicht. Wie diesem zu entnehmen ist, waren die 210 Behandlungsplätze zur ambulanten intravenösen Heroinabgabe im vergangenen Jahr zu 95 Prozent ausgelastet.

Die verbleibenden 5 Prozent lassen die Möglichkeit offen, ohne Verzug auch neue drogenabhängige Patientinnen und Patienten aufzunehmen. Gemäss dem Jahresbericht hat das Durchschnittsalter von neu hinzukommenden Patienten zugenommen.

Stark beanspruchte Pflegeheime

Im Vergleich zum Vorjahr mussten mehr Patienten zur stationären Heroinbehandlung in ein Pflegeheim überführt werden. Gemäss Koda-Betriebsleiterin und GFL-Grossrätin Barbara Mühlheim hatte sich deren Gesundheitszustand derart verschlechtert, dass eine ambulante Behandlung nicht mehr durchgeführt werden konnte. Wie Mühlheim betont, sei die Zusammenarbeit mit den Pflegeheimen sehr gut: Verschiedene Übergangs- und Langzeitpflegeheime zeigten sich bereit, die Koda-Patienten aufzunehmen – vor allem auch dank dem «intensiven Coaching», welches die Koda den betroffenen Pflegeteams anbiete. Die Anzahl der stationären Behandlungstage in Pflegeheimen stieg innerhalb eines Jahres um bis zu 50 Prozent.

Dem Jahresbericht zufolge hat die Hälfte der Koda-Patienten im Jahr 2008 durch spezielle Arbeitsprojekte zu einer geregelten Tagesstruktur gefunden. 22 Prozent seien gar auf dem offenen Arbeitsmarkt tätig gewesen. Allerdings bestritten immer noch zwei Drittel der Patienten ihren Lebensunterhalt durch die Sozialhilfe.

30 anstatt 215 Kilogramm Heroin

Um die positiven Auswirkungen ihrer Arbeit herauszustreichen, hat die Koda ein kleines Rechenspiel gemacht: 2008 wurden in der Koda 30 Kilogramm Heroin unter medizinischer Kontrolle verabreicht. Die Kosten dafür beliefen sich auf 510000 Franken. Zur Erzielung der gleichen Wirkung hätten die 202 Patienten insgesamt 215 Kilogramm «Gassenheroin» zu einem Preis von 12,65 Millionen Franken einkaufen müssen. Auf den einzelnen Patienten heruntergerechnet, hätte dies bedeutet, dass jeder 65000 Franken für seine Sucht hätte aufwenden müssen. Dieser Betrag wäre gemäss Koda sonst nur durch Kriminalität, Drogenhandel oder Prostitution aufzutreiben gewesen. (Der Bund)

Erstellt: 22.04.2009, 07:58 Uhr

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