Im Kriechgang in das Bärenparadies
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Am Bärengraben steht eine Mitarbeiterin des Tierparks Dählhölzli und erklärt einer Handvoll Touristen in perfektem Englisch die Pläne für den neuen Bärenpark. Um den seit dem Tod von Braunbär Pedro verwaisten Graben streift derweil eine asiatische Reisegruppe, hält Ausschau nach Bären und ist irritiert, als sie in der Anlage statt zotteliger Brauner ein Dutzend Bleicher «in Schale» erblickt.
Gestern Morgen luden die verantwortlichen Stadtbehörden zum symbolischen «Durchbruch» vom alten Bärengraben in den neuen Bärenpark. Im Graben sprach Gemeinderat Reto Nause (cvp) vom «Tag der Bärenbefreiung». Der politische Tierpark-Chef verwies auf die «kargen Böden und die kargen Wände» der ausgedienten Anlage – und die vergleichsweise paradiesischen Zustände im neuen Gehege am Aarehang. Ausgehend vom Bärengraben, wurde die Medienschar durch den Untergrund gelotst: im Kriechgang hinein durch eine alte Bärenpforte, neben den Stallungen durch und mit erhobenem Haupt hinaus ans Licht, in die Weite des neuen Parks.
Bauzeit mit Hochs und Tiefs
Der abenteuerliche Gang von der alten in die neue Anlage lässt sich in seiner Symbolik auch auf die Baugeschichte übertragen – während dieser musste der Kopf auch schon mal eingezogen werden. Von einer anderthalbjährigen Bauphase, die «zugegebenermassen Höhen und Tiefen hatte», sprach denn auch Gemeinderätin Barbara Hayoz (fdp) in Anspielung auf die happigen Mehrkosten, die für den Park anfallen. Vor einem Jahr mussten die Behörden informieren, dass der Park statt der ursprünglich kommunizierten 9,7 Millionen 4,8 Millionen Franken mehr kosten wird (vgl. Text unten). Trotzdem habe man immer am Ziel, den Bären ein tiergerechtes Ambiente zu schaffen, festgehalten, betonte Hayoz gestern. Von den erforderlichen 14,5 Millionen Spendengeldern fehlen heute nach wie vor deren zwei.
Doch abgesehen von der Finanzierungslücke: Der Zeitplan stimme, der Park könne wie geplant am 25. Oktober eröffnet werden – es sei denn, ein Hochwasser oder ein schwerer Hagelzug vereitle die Planung, sagte Finanzdirektorin Hayoz. Auf Letzteres hofft Urs Berger, Geschäftsführer der Mobiliar-Versicherung, natürlich aus naheliegenden Gründen nicht. Der von Hayoz als «weisser Ritter» eingeführte Vertreter des Bärenpark-Hauptsponsors hatte kurz vor dem symbolischen Durchbruch «ein erhabenes Gefühl». Man könne sich fragen, ob der Park «eine gute Lösung» sei, sagte Berger. Doch letztlich habe die Stadt die Wahl gehabt: der Bau einer artgerechten Anlage oder der Verzicht auf ein Wahrzeichen. Der Entscheid für den Park sei richtig gewesen.
Nachwuchs in Aussicht?
In der Tat: Sie wird prächtig, die Anlage, das lässt sich bereits zwei Monate vor der Eröffnung sagen. Ein vergleichsweise grossräumiges Gehege steht Björk und Finn, die heute noch im Tierpark Dählhölzli einquartiert sind, zur Verfügung. Die steile Anlage mit ihren weiten Wiesen ist gespickt mit Büschen und Bäumen. Unten am Aareufer stehen bereits die Glasscheiben entlang der Promenade, von welcher aus die Parkbesucher den Bären zuschauen können. Noch ist das 100 Meter lange Bären-Schwimmbecken an der Aare trocken. Bald werden dort über 1000 Kubikmeter Flusswasser eingelassen. «Hier können sich die Bären ausbreiten, jagen, fischen – und hoffentlich bald ihre Jungen aufziehen», bemerkte Hayoz.
Gibt es denn Anzeichen für baldigen Nachwuchs? Eine Schwangerschaft lasse sich bei Bären höchstens am Verhalten ausmachen, sagte Tierpark-Direktor Bernd Schildger am Rande des gestrigen Medientermins. Björk und Finn hätten sich «mehrmals gedeckt». Doch: «Was dabei rauskommt, entscheiden die Bären», betonte Schildger. (Der Bund)
Erstellt: 14.08.2009, 11:35 Uhr




