Im Dorf der Verrückten

Strippende Roboter, dröhnende Riesenpfeifen, herausfordernde Spielzeuge, Komiker und viel Musik: 120 Artisten aus 18 Nationen verwandeln am Buskers die untere Altstadt für drei Tage in einen bunten Karneval.

Ein Publikumsmagnet sind die verzwickten Spielgeräte auf dem Münsterplatz. (Adrian Moser)

Ein Publikumsmagnet sind die verzwickten Spielgeräte auf dem Münsterplatz. (Adrian Moser)

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Buskers

Während des Festivals wird die untere Altstadt zwischen 14 Uhr und 0.30 Uhr gesperrt. Das Buskers dauert noch bis am Samstag. Die Buslinien 12 und 30 von Bernmobil werden derweil umgeleitet. (srg)

Das sechste Buskers-Festival beginnt mit einem dumpfen Knall. Die Journalisten und stadtprominenten Besucher, die sich um sechs Uhr am Eröffnungsapéro auf dem Münsterplatz eingefunden haben, zucken zusammen. Es besteht jedoch kein Grund zur Sorge: Der Höllenlärm, oder je nach Gusto die Höllenmusik, entstammt einer mehrere Meter hohen Orgel, zusammengelötet aus rostigen Rohren. Bedient werden die Riesenpfeifen von Vera Fabbri aus Biel. Die Künstlerin spielt auf einigen winzigen Schaltern. Sie erklärt: «Die Orgel funktioniert durch ein Zusammenspiel von Luft, Gas, Druck und Wärme.» Ihr Ziel sei, «körperlich spürbare Musik zu erzeugen».

Fabbris kolossale Fabrikation ist Teil des «Weird Village», des Dorfs der Verrückten, auf dem Münsterplatz. Das irre Dörfchen ist die bedeutendste Neuerung der diesjährigen Ausgabe des Festivals. In ihm haben die Organisatorinnen Künstler aus ganz Europa zusammengetrommelt, die ihre sehr speziellen Objekte präsentieren. Neben Fabbris dröhnenden Schloten stehen ungewöhnliche Spielskulpturen. Gegen sieben sind sie schon fast alle besetzt. Ein 11-Jähriger windet eine Kugel durch eine Spiralkonstruktion. «Ich bin bereits zum dritten Mal hier, es ist immer sehr unterhaltsam», sagt er. Nicht ganz jugendfrei ist hingegen eine Skulptur auf der gegenüberliegenden Seite des Münsterplatzes: Zwei Roboter räkeln sich lasziv an Tanz-Stangen.

Jenseits dieses munteren Treibens im Dorf in der Stadt, in der Münstergasse, wird das Tanzbein noch nicht geschwungen. Allenfalls wippen die Festivalbesucher zu den jazzigen Chansons der Genfer Band Cézigues leicht mit den Füssen. Den Musikern scheint dies nichts auszumachen; die sechs jungen Männer haben offensichtlich Spass, zusammen zu spielen. Mit Hingabe musiziert auch das Trio Balkan Strings aus Serbien – zeitweise sechshändig auf einer einzelnen Gitarre .

Nicht nur die Musik gehört zu den festen Werten am Buskers-Festival. Unter den 120 Künstlerinnen und Künstlern aus 18 Nationen finden sich auch Schauspieler, Performance-Künstler und Komiker. Zu Letzteren gehört das Duo jaiko! aus Biel, das vor dem Zytglogge spielt und von gut 100 Zuschauern umringt ist. Ein kleiner Junge dient als Protagonist. Er soll zwischen einem «ganz gruusigen Papierli» – einer Zehnernote – und einem «wunderschönen Lolli» wählen. Der Kleine wählt den Lolli. (Der Bund)

Erstellt: 07.08.2009, 08:01 Uhr

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