Exit-Einsatz: Polizei wehrt sich

Von einem «fragwürdigen Polizeieinsatz» nach einem Freitod berichtete gestern die «SonntagsZeitung». Die Kantonspolizei Bern nahm gestern zu den Vorwürfen Stellung.

Stichworte

Ein hochbetagter Berner Unternehmer habe sich an die Sterbehilfeorganisation Exit gewandt und mit dieser die Modalitäten für seinen Freitod im Detail verabredet. Nach dem Tod, der im Frühsommer dieses Jahres im Beisein eines Exit-Sterbebegleiters und des Sohns des Verstorbenen erfolgte, habe der Exit-Mann vorschriftsgemäss die Polizei verständigt. Danach seien nicht etwa ein zivil gekleideter Beamter, sondern bis zu einem Dutzend Polizisten erschienen. Die Befragung der Anwesenden sei in unfreundlicher Weise erfolgt. Die Polizei habe den Sohn gar mit aufs Präsidium nehmen wollen. Dieser versuchte zu flüchten, was jedoch bewaffnete Ordnungshüter im Garten verhinderten. Versehentlich oder womöglich aus «boshaftem Spass» habe die Polizei einen Alarmknopf beim Bett des Toten gedrückt, worauf es nur mit Mühe gelungen sei, die Elitetruppe Enzian von der Erstürmung des Hauses abzubringen.

Gerichtsbehörden und Polizei hätten sich später für die «Unannehmlichkeiten» entschuldigt. In Zürich habe Exit mit der Polizei in solchen Fällen ein diskretes Auftreten vereinbart, sagte Exit-Präsident Hans Wehrli laut dem Zeitungsbericht. Er würde eine ähnliche Vereinbarung auch in Bern begrüssen. Man sei mit den Behörden seit zwei Jahren im Gespräch.

Kantonspolizei kritisiert Exit

Gestern Abend nahm auch die Kantonspolizei Stellung. Bei jedem aussergewöhnlichen Todesfall sei es Aufgabe der Strafverfolgungsbehörde, die Todesursache abzuklären – und ob eine Dritteinwirkung ausgeschlossen werden könne. Bei Exit-Todesfällen beachteten die Ermittler primär das Zustandekommen des Sterbewunsches beim Verstorbenen und den Ablauf der Ereignisse. Dies sei für die Abgrenzung zwischen Selbst- und strafbarer Fremdtötung entscheidend.

Die geschilderte Situation wird laut der Kantonspolizei im Zeitungsartikel «in wichtigen Teilen» nicht korrekt wiedergegeben. So seien sieben, und nicht ein Dutzend Polizisten im Einsatz gestanden. Der bei der Spurensicherung «fälschlicherweise» ausgelöste stille Alarm habe rechtzeitig zurückgestellt werden können. Schliesslich bedauert es die Kantonspolizei, dass Exit mit dem Todesfall Druck auf die bernischen Untersuchungsbehörden mache, um ein Abkommen zu erwirken. (mdü/tga) (Der Bund)

Erstellt: 24.08.2009, 09:00 Uhr

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