Ein sauglattes Bad
Im Erlebnisbad sind bald wieder Arbeiten nötig: Die Böden sind zu glatt. (Bild: Adrian Moser)
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Für Wasserratten bietet das im Oktober eröffnete Bernaqua im Zentrum Westside einiges: zahlreiche Becken, einen Wildwassercanyon, abenteuerliche Rutschen und vieles mehr. Mit dem Volksmund gesprochen kann man mit Fug und Recht behaupten: Im Bernaqua ist es sauglatt. Sauglatt ist es im Migros-Bad aber auch in einem ganz anderen Sinn. Denn Rutschen tut man in der Anlage nicht nur dort, wo es vorgesehen ist. «Als weniger lobenswert sind die Bodenfliesen im Erlebnisbad zu erwähnen. Durch die Nässe werden sie ziemlich rutschig», schreibt ein privater Badtester aus Rebstein SG auf seiner Homepage (www.flaxi.ch) über Bernaqua. «Irgendwie unverständlich für einen modernen Neubau.»
Sisyphusarbeit im Badetempel
Ein Augenschein vor Ort bestätigt den Eindruck des privaten Badtesters. Die Rutschpartie beginnt bereits im Umkleidebereich. Das Personal ist unablässig damit beschäftigt, die Böden trocken zu halten – eine Sisyphusarbeit angesichts der nur wenige Meter entfernt liegenden Duschen. Letztlich ist der Nässe im Bad nicht Herr zu werden. Eine Gruppe von Jünglingen «schlööflet» regelrecht durch die Anlage. Neben den Becken, auf den Treppen, vor dem badeigenen Imbiss indes gilt: Wer nichts riskieren will, tastet sich lieber mit den Füssen voran, als dass er geht. Im Kleinkinderbereich des Bads berichtet eine Mutter, dass sich ihr zweijähriger Sohn, der seit einem Jahr gehe, kaum auf den Füssen halten könne. Auf die Glätte angesprochen, meint ein Angestellter: Ja, es müsse etwas gehen, ein neuer Boden sei wünschenswert.
Offiziell heisst es: «Jedes Material, das mit Wasser in Kontakt kommt, verändert seine Eigenschaften. Das ist bei nassen Bodenplatten nicht anders», wie Bernaqua-Sprecherin Sharon Moratti auf Anfrage sagt. Punkto Rutschfestigkeit überträfen die Bodenplatten im Bad die europaweit gültigen Normen, betont sie. Die Böden würden zudem ständig überprüft. Doch die Bernaqua-Verantwortlichen stellen nicht in Abrede, dass die Glätte im Bad ein Problem ist: Einige Gäste hätten sich bei Stürzen Prellungen oder Schürfungen zugezogen. Auf die leichte Schulter nehmen dies die Verantwortlichen nicht: «Wir nehmen das sehr ernst; die Sicherheit steht für uns an oberster Stelle. Solche Zwischenfälle lassen sich in einem Bad aber nie ganz vermeiden», sagt Moratti.
Bitte nicht rennen!
Vorderhand sei das Personal angewiesen worden, die Gäste vom Rennen im Bad abzuhalten. Experten prüften zudem, wie die Bodenplatten «optimiert» werden könnten. Ob und welche Massnahmen sich allenfalls aufdrängen, will Moratti offenlassen. Ein neuer Boden steht offenbar nicht im Zentrum der Überlegungen. Dem Vernehmen nach weiss man auch im Bernaqua noch nicht, weshalb die Böden – ausgerechnet im modernsten Bad der Schweiz – so glatt sind. «Das Bad wurde nach neuesten Erkenntnissen gebaut – entsprechend haben wir auch die Materialien ausgesucht», sagt Moratti dazu.
Ein schwacher Trost dürfte für Bernaqua sein, dass auch das frisch sanierte Solbad Schönbühl mit ähnlichen Problemen kämpft. Dort beklagen Badegäste ebenfalls die rutschigen Beckenböden. (Der Bund)
Erstellt: 07.01.2009, 08:33 Uhr




