Zeitung heute
Enthusiast, Fan und Präsident
Dezember 2006 Präsident des FC Zürich. In dieser Funktion strebt er den dritten Meistertitel an.
Die Diskussion lässt sich problemlos anschieben. Ein Stichwort aus dem weiten Feld des Fussballs genügt, und Ancillo Canepa kommt in Fahrt. Der passionierte Pfeifenraucher vergisst plötzlich den nächsten Termin, wenn er sich in ein Thema vertieft. Es ist der Morgen nach dem 3:0-Sieg des FC Zürich in Aarau, und Canepa, Präsident des Stadtklubs, sitzt am Donnerstag in einem Café. Canepa redet über das Meisterrennen und die Young Boys, den nächsten Gegner, und sagt: «Die drei Mannschaften an der Spitze haben nur noch Finals vor sich.»
Die Emotionen packen den 56-Jährigen. Ancillo Canepa bewegt sich jetzt in einem Bereich, in dem er sein geliebtes Hobby rund um die Uhr ausüben darf. Seit Dezember 2006 ist er FCZ-Präsident, der Einzige im Verein, der einen Vollzeitjob ausübt, ohne dafür entlöhnt zu werden. Als es um die Nachfolge von Sven Hotz ging, war der Mann aus dem Zürcher Oberland Lei-ter der Wirtschaftsprüfung von Ernst&Young. Die Kaderposition gab er schliesslich auf: «Wenn ich Präsident des FC Zürich bin, dann nur zu hundert Prozent.»
Bereut hat er seinen Herzensentscheid keine Sekunde. «Weltweit gibt es keine andere Institution, die derart völkerverbindend ist», sagt er, «mein Job erfordert zwar hohe Stressresistenz und viel Erfahrung, gerade auch im Krisenmanagement. Aber ich habe seit meiner Amtsübernahme so viele Begegnungen gehabt, die mir bestätigen, das Richtige gemacht zu haben.»
Sympathien für den HSV
Der Fussball begleitet Canepa auch in den Jahrzehnten, in denen er nach seinem Studium der Betriebswirtschaft als Manager arbeitete. Eine besondere Affinität entwickelte er zur deutschen Bundesliga. Der Hamburger SV und die Bayern der Ära Beckenbauer waren seine zwei Lieblingsvereine. Und seine Spielerikone war der Brasilianer Pelé, den er jüngst persönlich kennen lernte. Canepa ist stolzer Besitzer einer lückenlosen Sammlung des Fachmagazins «Kicker». Er kaufte einer deutschen Radio-Station das ganze Archiv ab, das jede Ausgabe von 1952 bis 2004 beinhaltet. In jungen Jahren hatte Canepa sogar einmal einen besonderen Fernsehauftritt: Mit dem Spezialgebiet Bundesliga war er 1984 Gast in der Quiz-Sendung «Tell Star».
Der FCZ ist seine fussballerische Liebe, die er in jungen Jahren entdeckte. Canepa erlebte in den Sechzigerjahren als Fan die glanzvollen Europacup-Zeiten im Letzigrund, als die Helden des Vereins Köbi Kuhn, Fritz Künzli oder Klaus Stürmer hiessen und der FCZ 1964 im Halbfinal erst an Real Madrid scheiterte. Selber spielte er beim FC Rüti in der 2.Liga und war stets ein Freund des Offensivfussballs.
Was ihm im eigenen Klub diesbezüglich geboten wird, stellt Canepa zufrieden. Aber der FCZ habe, sagt der Präsident, «Luft nach oben». Canepa strebt mit den Zürchern nach 2006 und 2007 den dritten Meistertitel unter seiner Führung an. Dazu wäre ein Erfolg morgen Abend gegen YB zweifellos hilfreich. Gegen jene Mannschaft also, die in ein Umfeld eingebettet ist, das dem Zürcher imponiert: «Mir kommen Tränen, wenn ich sehe, dass YB - Zürich vor 27000 Zuschauern stattfindet. Das verdient grossen Respekt. Gleichzeitig frage ich mich, was wir noch tun müssen, um den Letzigrund ähnlich zu füllen wie die Berner ihr Stade de Suisse oder die Basler den St.-Jakob-Park.» Wobei für ihn das Thema am Sonntag in den Hintergrund rückt. Entscheidend ist für ihn dann am Abend nur eins: der Sieg.Peter M. Birrer
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Erstellt: 25.04.2009, 01:17 Uhr




