Statt Bordell ein Wellness-Tempel

Nach langen Jahren der

Ungewissheit entsteht auf der Rigi eine neue Attraktion: ein Mineralbad des

Stararchitekten Mario Botta.

Die Rigi-Bahnen werben gerne mit dem Slogan «Königin der Berge». Vom grossen Glanz, den die Rigi einst in alle Welt verstrahlte und der Könige und Kaiser anzog, war in den letzten Jahren nicht mehr viel zu spüren. Zu reden gaben viel mehr eine ganze Reihe von gescheiterten Tourismus-Projekten und eine Bauruine, die mitten in Rigi Kaltbad den Blick auf die Berge verstellte. Diverse Projekte von Investoren wurden zwar gross angekündigt, aber nie realisiert.

Gestern konnten die Gemeinde Weggis, der Investor Aqua-Spa-Resorts und die Kantone Luzern und Schwyz den Spatenstich für die lange herbeigesehnte Superattraktion feiern. Ein 26 Millionen Franken teurer Wellness-Tempel des Schweizer Stararchitekten Mario Botta soll ab 2011 neue Gäste anlocken. Auf dem Flachdach des Mineralbades und Spa entsteht ein Dorfplatz mit einem Mineraliengarten, auf dem die Gemeinde künftig Konzerte veranstalten will.

«Das Bad verleiht dem Berg eine neue Ausstrahlung und wird zur Lebensgrundlage für die nächste Generation der Rigi-Bewohner», sagte gestern der Weggiser Gemeindepräsident Kaspar Widmer. Allerdings gehört die Rigi mit ihren rund 600000 Gästen pro Jahr auch heute zu den meistbesuchten Bergen der Schweiz.

Hoffen auf weitere Investitionen

Laut dem Luzerner Regierungspräsidenten Max Pfister wird der Wettbewerb der Feriendestinationen jedoch immer härter. «Ohne neue Impulse droht die Rigi ins Hintertreffen zu geraten.» Die Eröffnung des Bades soll weitere Investitionen in der Höhe von mehreren Dutzend Millionen auslösen. Bereits beschlossen sind der Bau eines neuen Bahnhofs, neuer Wohnungen sowie die Sanierung der heutigen Hostellerie.

Vor einem Jahr noch sah es um die Zukunft der Rigi düster aus: Auf dem Tiefpunkt eines langen Niedergangs kündigte ein Hotelbesitzer an, dass er auf der Rigi ein Bordell eröffnen wolle. In einem Inserat pries er sein Berghotel Rigi Klösterli als «Gentleman Club» mit Zimmern für junge Damen an. Zuvor hatte der Amerikaner rund zwei Millionen Franken in einen normalen Hotelbetrieb investiert. Das Haus rentierte jedoch nicht. Wegen der grossen Empörung in der Region gab der Investor seine Bordell-Pläne auf. Nicht viel glorreicher verlief die Vorgeschichte zum Bau des Wellness-Tempels: 1998 kaufte ein deutscher Investor das Grundstück, auf dem damals ein heruntergekommenes Hotel stand. Er liess das Haus abreissen und wollte einen neuen Glanzbau errichten. Nachdem der Investor in Deutschland wegen krimineller Machenschaften verhaftet worden war, blieb von den grossen Plänen nichts übrig als eine hässliche Bauruine. Die Gemeinde bezahlte schliesslich 170 000 Franken, um diese abreissen zu lassen.

Die Idee zum Botta-Bad entstand 2004, nachdem das frühere Hallenbad geschlossen worden war. Bis im letzten Herbst stand das Projekt aber auf der Kippe, weil sich ein Geldgeber zurückgezogen hatte.







> (Der Bund)

Erstellt: 29.08.2009, 01:16 Uhr

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