Zeitung heute

Immer mehr Tierversuche

Von Felix Maise. Aktualisiert am 17.07.2009

2008 wurden erneut mehr Tiere in Experimenten eingesetzt als im Jahr zuvor. Immer beliebter wird der Tierversuch in der Grundlagenforschung.

Keine Trendwende bei den Tierversuchen: Nachdem die Zahl der in der Schweiz eingesetzten Versuchstiere bis ins Jahr 2000 stets abgenommen hatte, steigt sie seither wieder kontinuierlich. Das zeigen die neusten, gestern vom Bundesamt für Veterinärwesen (BVet) veröffentlichten Zahlen für 2008. Gegenüber 2007 stieg der Tiereinsatz zwar nur um 0,8 Prozent. Insgesamt landeten damit aber doch fast 5500 Tiere mehr als im Vorjahr auf schweizerischen Labortischen.

Auffällig ist die starke Zunahme des Tiereinsatzes in der Grundlagenforschung (+8 Prozent), wogegen die angewandte medizinische Forschung mit weniger Tieren (-11 Prozent) auskam. Die Abkehr vom Tierversuch in der Industrie setzte sich im letzten Jahr weiter fort (-9 Prozent). Dafür griffen Hochschulen und Spitäler auf 7 Prozent mehr Tiere zurück. Laut BVet ist dies auf die Ausweitung der Forschungstätigkeit an Hochschulen und Spitälern zurückzuführen.

Zu diesem Bild passen auch die neusten Zahlen der baselstädtischen Tierversuchsstatistik, die ebenfalls gestern veröffentlicht wurde: Basel-Stadt, vor Bern und Zürich der tierversuchsintensivste Kanton, verzeichnete im letzten Jahr entgegen dem nationalen Trend eine weitere Abnahme der Versuchstiere um 9 Prozent. Verantwortlich dafür sei ein geringerer Bedarf der Pharmaindustrie, so das Basler Gesundheitsdepartement.

Tierschützer und Tierversuchskritiker bemängeln seit Jahren eine eher lasche Bewilligungspraxis. Die Zahlen aus dem letzten Jahr bestätigen dieses Bild: 882 Bewilligungen wurden neu erteilt, nur drei Gesuche wurden abgelehnt. BVet-Pressesprecher Marcel Falk relativiert dies mit dem Hinweis, dass die kantonalen Tierversuchskommissionen zwei Drittel der Versuche nur mit Auflagen bewilligt hätten. Zudem sei eine unbekannte Zahl von Gesuchen aufgrund einer ersten, ungünstigen Beurteilung wohl ohne einen offiziellen Ablehnungsentscheid fallen gelassen worden.

Das Gros der Versuchstiere waren auch im letzten Jahr Mäuse und Ratten. Zum Einsatz kamen aber unter anderem auch 4623 Hunde, 639 Katzen und 345 Primaten. Bei allen drei Arten waren das mehr Tiere als im Jahr zuvor, obwohl gerade Experimente mit Hunden, Katzen und Affen besonders umstritten sind. Erfreulich ist aber die Tatsache, dass die Zahl der schwer belastenden Versuche um 15 Prozent zurückging. Damit waren es 2008 nur noch 15578 Tiere, die in besonders belastenden Experimenten leiden mussten, darunter auch sechs Hunde, aber kein Affe und keine Katze. (Der Bund)

Erstellt: 17.07.2009, 10:16 Uhr

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