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Das Wallis als «Genussland»

Von . Aktualisiert am 03.08.2009

Das Wallis ist als attraktives Ziel für Skiferien bekannt; allenfalls kennt man auch die schier unbegrenzten Wandergebiete in seinen Seitentälern und die Langlaufloipen im Goms. Doch der zweisprachige Kanton, seit Eröffnung des Lötschberg-Tunnels von der «Ausserschweiz» aus in kürzester Zeit erreichbar, versteht sich auch als sonnenbeschienenes Schlaraffenland.

Im wichtigsten Weinkanton der Schweiz steht selbstverständlich der Rebensaft im Mittelpunkt. Alle, die sich dafür interessieren, geben sich Anfang September jeweils bei der Vinea, der grossen Weinmesse in Siders/Sierre, ein Stelldichein. An Dutzenden von Ständen bieten hier Winzer und Produktionsfirmen ihre Spezialitäten zur Degustation an; mehr als eintausend verschiedene Weine können miteinander verglichen werden.

Wem dies nicht genug ist, der kann an Spezialdegustationen teilnehmen; berühmt ist jene am Sonntagmorgen im Rathaus, an der Dutzende von Süssweinen verkostet werden können – eine Prozedur, die nur geübte Degustatoren unbeschadet überstehen.

Die Vinea hat für ihre 16. Ausgabe, die am 5. und 6. September stattfinden wird, die Strassen von Siders erstmals für Weine aus der ganzen Schweiz geöffnet. Man wolle damit dem «ehrgeizigen Ziel» näher kommen, «aus dem jährlichen Anlass das Treffen für Liebhaber von Schweizer Weinen schlechthin zu machen», schreiben die Organisatoren.

Ehrengäste sind diesmal die Colline des Cortons im Burgund, die Waadtländer Vereinigung Clos, Domaines & Châteaux sowie die Kellerei Maurice Gay et fils, die «historische Kellerei des Jahres». Doch der Hauptakzent liegt weiterhin auf den Walliser Weinen.

Wer, statt selber durch die Weinmesse zu streifen, dies lieber unter kundiger Führung tut, dem steht eine äusserst kompetente Fachfrau zur Seite: die Önologin Madeleine Gay, die beim grössten Walliser Weinproduzenten Provins für die besten Spezialitäten zuständig ist und weit über den Kanton hinaus einen exzellenten Ruf geniesst.

Wo guter Wein wächst, sind meist auch andere kulinarische Höhenflüge gewährleistet. Dies gilt auch fürs Wallis: Dort hat «der kulinarische Aspekt, ob Ur- oder Sterneküche, in den vergangenen Jahren merklich an Bedeutung gewonnen», sagte Urs Zenhäusern, Direktor von Wallis Tourismus, unlängst an einer Veranstaltung in Salgesch, dem Nachbarort von Siders, der vor allem für elegante Pinots noirs bekannt ist.

Sein Kanton habe «ein grosses Potenzial, das zusammen mit den Produzenten aus der Landwirtschaft und den Gastronomiebetrieben noch besser genutzt werden sollte», meinte Zenhäusern.

Gerade in Siders wird dieses Potenzial bereits ausgeschöpft: Hier lässt sich sowohl die traditionelle als auch die internationale Gourmetküche geniessen.

Im Hotel Terminus an der Rue du Bourg, Ecke Avenue Général Guisan – der Hauptstrasse von Siders, auf der auch die Vinea stattfindet – wirkt einer der höchstdotierten Schweizer Köche, Didier de Courten. Von Gault-Millau hat er 19 Punkte erhalten; «Perfektion ist angesagt», vermerkt die neuste Ausgabe des Gourmetführers.

Die Eleganz und die Weltläufigkeit von de Courtens Restaurant täten auch einem grossstädtischen Lokal Ehre an; hier, im Walliser Provinzstädtchen, überrascht sie. Und während die Qualität sich mit absoluter französischer Weltklasse misst, sind die Preise erfreulich provinziell angesetzt.

Wem die Ambiance eines Spitzenrestaurants nicht behagt, kann in de Courtens Brasserie, L’Atelier Gourmand genannt, und auf der Terrasse die Kreationen des Küchenmeisters in weniger formeller Umgebung geniessen.

Ganz anders sind Atmosphäre und Angebot im Château Villa, einem Schloss aus dem 16. Jahrhundert in leicht erhöhter Lage. Hier werden in historischen Räumlichkeiten Walliser Spezialitäten aufgetischt, Trockenfleisch, Käse, Rauchschinken, Würste. Und die Gäste können sich unter der kundigen Anleitung von Dominique Fornage, dem äusserst kommunikativen Patron, davon überzeugen, dass Raclette nicht gleich Raclette ist: Hintereinander kommen fünf verschiedene Käse von verschiedenen Alpen auf den Teller, und jeder hat seinen ganz speziellen Charakter.

Zudem wird, wer noch nicht von der Vielfalt der Walliser Weinproduktion überzeugt ist, hier bekehrt werden: Auf der Karte des Château Villa sind nicht weniger als 570 lokale Weine verzeichnet. (afg) (Der Bund)

Erstellt: 03.08.2009, 08:59 Uhr

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