Chaotischer Reisestart

Von Christof Forster. Aktualisiert am 24.08.2009

In internationalen Zügen herrscht vor der Abfahrt oft ein heilloses Durcheinander. Schuld daran sind auch die unübersichtlichen Bahntickets.

Endlich Ferien, endlich unterwegs! Doch an Entspannung ist noch nicht zu denken. Es gilt den Sitzplatz oder das Bett für die Nacht zu finden. Die Reisenden stürzen sich, mit Bahntickets wedelnd in der Hand, Koffer und Kinder im Schlepptau, auf den Zug. Das Chaos nimmt seinen Lauf. Leute finden ihren Platz nicht, landen im falschen Wagen, streiten sich mit anderen Reisenden um den gleichen Sitz. Es kommt zu mühsamem Kreuzverkehr und Gehässigkeiten in den schmalen Gängen.

Gewiss: Die Platzverhältnisse sind eng, die Umsteigezeiten knapp und die Sitznummerierungen manchmal unlogisch. Doch die Bahnen stellen sich auch selbst ein Bein. Die Tickets sind nämlich derart unübersichtlich gestaltet, dass die wichtigen Informationen nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind. Die ohnehin labile Situation bei Reisestart gerät vollends aus dem Gleichgewicht. Die für die Platzsuche entscheidenden Hilfen – Waggon- und Sitzplatznummer – sind irgendwo auf dem Billett versteckt. Nur manchmal heben hilfreiche SBB-Verkäufer diese Angaben beim Ticketkauf mit Leuchtstift hervor.

SBB sind nicht glücklich

Datum und Zeit sind dank einfachen Symbolen auf den Tickets klar erkennbar. Doch bei Waggon und Sitzplatz fehlt eine solche Leseführung. Auf die Waggonnummer weist lediglich die Buchstabenfolge WAG hin. Wer sich im Bahnjargon nicht auskennt, dürfte damit Mühe haben. Ganz im luftleeren Raum steht irgendwo auf der rechten Seite des Tickets die Sitzplatznummer.

Die SBB sind nicht glücklich mit diesen Billetts. Sie setzten sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten dafür ein, die Gestaltung für den Kunden verständlicher zu machen, sagt SBB-Sprecher Roman Marti. Diesen Rahmen bestimmt der Internationale Eisenbahnverband mit Sitz in Paris. Die Aufmachung wird laut Marti von Zeit zu Zeit punktuell angepasst. Dies ist jedoch kein einfaches Unterfangen. Denn die Änderungen müssen von allen Mitgliedsbahnen akzeptiert und übernommen werden.

Der Verband selbst weist darauf hin, dass in vielen Ländern Reservationen nicht notwendig seien. Dort brauche es auch nicht die entsprechenden Angaben auf dem Billett. Doch viele Schweizer reservieren auf ihren Bahnreisen ins Ausland die Sitzplätze – und in Ländern wie Italien ist dies in vielen Zügen auch obligatorisch. Für sie bleibt nur die Hoffnung auf punktuelle Verbesserungen.

Papierloses Ticket

Zudem arbeitet der Eisenbahnverband an einem international gültigen Handy-Ticket. Die SBB sind in der Projektgruppe dabei. Die Infos zum Sitzplatz sollen die Reisenden dannzumal über SMS kurz vor der Abfahrt des Zuges erhalten. Auf Thalys-Zügen, die zwischen Frankreich, Belgien, Holland und Deutschland verkehren, gibts bereits solche E-Tickets. (Der Bund)

Erstellt: 24.08.2009, 09:51 Uhr

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