Schmach und Schande
Sinnvolle Arbeit für Chaoten
Am späten Nachmittag, vor der Austragung des Cupfinals Bern - Sion, wurde ich Zeugin eines hinterhältigen, feigen Angriffs einiger schwarz gekleideter, teilweise vermummter junger Männer auf die fröhlich vorfeiernden Sion-Fans in der Halle des Berner Hauptbahnhofs. Innert kürzester Zeit (das Halbdutzend bereitstehender PolizistInnen hatte kaum Zeit, die Helme aufzusetzen) attackierten diese Feiglinge unsere Gäste, indem sie sie mit Glasflaschen und Ähnlichem bewarfen. Plötzlich lagen überall Glassplitter, teilweise waren Blutspuren auf dem Boden, das Rauchgas verbreitete sich in Windeseile.
Meine unbändige Wut veranlasst mich, in diesem, meinem ersten, Leserbrief ein paar Gedanken zu veröffentlichen. Ein Dutzend junger Männer, offenbar gelangweilt und wohlstandssatt, wissen mit ihrer Energie nichts Sinnvolleres anzufangen, als diesen üblen, beschämenden Angriff zu planen und auszuführen. Ich bezweifle, dass es YB-Fans waren, denn diese sind gescheit genug, um zu wissen, dass Fussball ohne gegnerische Fans keinen Spass macht. Eher hatte ich den Eindruck, die Unruhestifter wollten «Bürgerkriegerlis» spielen, inspiriert allenfalls von den Berichterstattungen in den Gratisblättern.
Sollten solche Menschen angezeigt werden, was ich sehr hoffe, mache ich ihren Richtern folgenden Vorschlag: Schicken wir diese jungen, kraftvollen, aber offensichtlich fantasielosen Männer auf eigene Kosten für mindestens ein halbes Jahr in ein Krisengebiet wie Afghanistan, Irak oder Darfur. Dort haben sie Gelegenheit, ihre Energie in gemeinnütziger Arbeit umzusetzen, zu erfahren, was es heisst, unschuldig lebensbedrohenden Erfahrungen ausgesetzt zu sein und ihre Intelligenz fürs Überleben zu schulen und zu nutzen. Ich bin überzeugt, sie kehrten als nützlichere Mitglieder unserer Gesellschaft dankbar zurück.
Denise JöhrBoll
Fans oder Feuerwerker?
Einmal mehr hat YB es verpasst, einen Titel zu gewinnen! Und so bleibt leider der Eindruck weiter bestehen, wichtige Spiele immer zu verlieren. Mit Wehmut schaue ich ans Rheinknie, wo es die sportliche Führung immer irgendwie schafft, eine Mannschaft zusammenzustellen, die höchsten nationalen Ansprüchen genügt. Seit der Ära Bickel ist in diesem Bereich leider die Mittelmässigkeit eingekehrt.
Am meisten geärgert haben mich jedoch die unverbesserlichen, hirnlosen Fans (?), die sich immer wieder als «1.-August-Feuerwerker» betätigen. Schafft diese Knallköpfe endlich aus dem Stadion, sie schaden nur dem Verein und vertreiben mit ihrem Verhalten die richtigen Anhänger.
Trotz der erneuten Pleite gilt einmal mehr: Die Hoffnung stirbt zuletzt – Hopp YB! Auch in der nächsten Saison.
Hans-Peter BalmerWorblaufen
Ein provozierendes Dispositiv
Fussballspiele besuchte ich seit Ende der Siebzigerjahre sporadisch. Im Stade de Suisse war ich allerdings noch nie, letztmals genoss ich ein YB-Spiel im schmucken, alten Neufeldstadion. Auch im alten Wankdorf-Stadion war ich oft zu Gast. Was mir dabei auffiel: Es gab kaum Gitter und Abschrankungen, keine eigentlichen Fansektoren, alles war ziemlich locker und friedlich, die Polizei machte sich kaum bemerkbar, und die gelegentlichen Eingangskontrollen wurden nicht von eigens angeheuerter Security, sondern von der Securitas vorgenommen. Dies, obwohl in vergangenen Zeiten oft bis zu 45000 Leute im Stadion waren, gerade bei Cupspielen, wesentlich mehr als heute. Aber es gab kaum Ausschreitungen und gewalttätige Scharmützel mit der Polizei, keine Attacken von gewaltbereiten Hooligans.
Mein Fazit: Je repressiver und engmaschiger ein Sicherheitssystem aufgezogen wird, das kaum mehr Individualität zulässt, desto provozierender und anheizender wirkt das ganze Dispositiv mit massiver Polizeipräsenz auf gewisse Fans. Die Frage ist: Was läuft hier falsch?
Daniel SutterBern
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Erstellt: 23.05.2009, 01:17 Uhr




