Es lebe die Soziologie

Soziologie ist kein Krisenauslöser

Rektor Urs Würgler behauptet also, die Universität Bern könne sich die Soziologie in der heutigen Form nicht mehr leisten. Warum fragt er sich eigentlich nicht, ob sich die Uni – angesichts des momentanen Desasters in der Weltwirtschaft – die Wirtschaftswissenschaften noch in der heutigen Form leisten kann? Oder hat die Soziologie schon mal eine Wirtschaftskrise ausgelöst?

Dieter Meier Biel

Wichtiges Hintergrundwissen

Wie wertvoll es ist, soziologische Theorie und Forschung fundiert erlernt zu haben, erleben wir bei unserer Arbeit. Wie viele andere, die bei Claudia Honegger studiert haben, können wir heute unser Hintergrundwissen in Bereichen wie Lehrerbildung, Wirtschaft und Sozialarbeit einbringen. Diese Qualität der Soziologie als Grundlagendisziplin muss unbedingt erhalten bleiben. Wenn die Universität Bern nur auf Fächer setzt, die unmittelbar anwendbares und «praxisrelevantes» Wissen produzieren, gibt sie damit die Voraussetzung für Wissenschaftlichkeit und letztlich ihre Glaubwürdigkeit preis.

Was sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Gesellschaft bringen, wenn sie nicht mehr wissen, welches eigentlich die theoretischen Hintergründe ihrer Datensammlungen sind und wenn sie sich in den Theorien zu wenig auskennen, um ihre eigenen Resultate kritisch zu überprüfen? Genau dies wird jedoch eintreten, wenn die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät den unspezifischen Sowi-Bachelor einführt. Die aktuelle Finanzkrise zeigt deutlich genug, wie wichtig – und durchaus praxisrelevant – es ist, dass auch in der Wirtschaft ein Bewusstsein für die längerfristigen Folgen des eigenen Handelns vorhanden ist und weiterentwickelt wird.

Caroline Bühler,PH BernChantal MagninHochschule Luzern Wirtschaft und Institut für Sozialforschung Frankfurt/MainMarianne RychnerHochschule Luzern Wirtschaft und Fachhochschule für Soziale Arbeit Nordwestschweiz>

Erstellt: 19.05.2009, 01:16 Uhr






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