«Berner Soziologie ist wichtig»

«Unüberlegte Hauruck-Übung», Interview mit Prof. Claudia Honegger, «Bund» vom 12. Mai

Im Interview wird leider zu wenig deutlich, welche Bedeutung die Berner Soziologie hat und warum es wichtig ist, sie in der jetzigen Form zu erhalten. In Ergänzung zum Lehrstuhl «Empirische Sozialforschung» hat Honegger einen Lehrstuhl mit einem klaren Profil innegehabt und geprägt: Die qualitativen Methoden in ihrer Verbindung mit theoretischer Soziologie und die historische Perspektive hatten einen Ort in der Schweiz. Viele Soziologen und Soziologinnen, die in unterschiedlichen Berufsfeldern tätig sind, profitieren von diesem Lehrstuhl.

Von hier wird die soziologische Debatte in der ganzen Schweiz aus einem spezifischen Blickwinkel entscheidend mitgeprägt. Auch die ausseruniversitäre Arbeitswelt profitiert seit Jahren von den Qualifikationen, die die Absolventinnen und Absolventen dieses Studiengangs mitbringen – so «praxisfern» ist gar nicht, was man an diesem Lehrstuhl studieren konnte. Dass im soziologischen Denken und Forschen dieses Lehrstuhls eine Kontinuität bestand, ist für Bern eine Errungenschaft. Bei der – dringend vorzunehmenden – Besetzung der drei Professuren ist die Erhaltung des wissenschaftlichen Profils dieses Lehrstuhls daher zu garantieren.

Prof. Dr. Ursula Streckeisen(PH Bern),Prof. Dr. Christoph

Maeder(Präsident Schweiz. Gesellschaft Soziologie), Prof. Dr. Urs Staehli (Uni Basel),Prof. Dr. Franz Schultheis (Uni St. Gallen),stellvertretend für 31 SoziologenDie Soziologie bildet den Kern der Sozialwissenschaften. Sie fragt nach dem Zusammenleben der Menschen in Gesellschaften, nach dem Sinn und nach Strukturen gemeinsamen Handelns und befasst sich überdies mit den brennenden Fragen unserer Zeit: soziale Konflikte und Integrationsfragen.

Jede und jeder mit wachem Geist erkennt, dass unsere Gesellschaft gerade jetzt eine mutige und starke Soziologie mehr braucht als je zuvor. Sie soll sich dabei mit den anderen Wissenschaften vernetzen und so nicht nur das Bildungsbedürfnis Einzelner befriedigen, sondern auch der Gesellschaft Antworten auf die Fragen der Zukunft geben. Eigentlich ist das unbestritten. Trotzdem haben ein paar professorale «Chnuschtis» aus der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät es geschafft, einen Vorschlag zurechtzuwursteln, der genau in die gegenteilige Richtung geht. Dies, weil sie die Prozessabläufe und dicken Empfehlungshandbücher selbstherrlich ignorierten, ja selbst Reglement und Gesetz der Uni missachteten. Zum Glück hat die Gesetzgeberin für solche Fälle vorgesorgt. Sowohl Unileitung wie auch Erziehungsdirektor haben explizit die Möglichkeit, den Stosstrupp zu stoppen. Für eine vernünftige Reform der Sozialwissenschaften, aus der sowohl die Disziplinen wie die Uni gestärkt herausgehen, braucht es diese Schritte:

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Die ausgeschriebenen Lehrstühle werden besetzt.

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Es wird gemäss Empfehlung des Uni-eigenen Kompetenzzentrums Bologna ein 12-monatiger Planungsprozess eingeleitet.

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Studierende, Assistierende und Dozierende werden gemäss Gesetz und Statut an der Planung beteiligt.

Sie sind es, die das Lehrangebot am Schluss erfolgreich machen.

Franz-Dominik ImhofPräsident des StudentInnenratesder Universität Bern



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Erstellt: 15.05.2009, 01:16 Uhr

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