Zeitung heute

«Wunderland» der Kunst

Aktualisiert am 08.06.2009

Sie nennt sich «Olympics of the Art World». Und wahrhaftig, die Art Basel, die heuer ihr 40-jähriges Bestehen feiert, ist eine Messe der Superlative. Wie bereiten sich Berner Kunstkenner auf den «Marathon» Art Basel vor? Eine kleine Umfrage.

Um im Kunst-Grossangebot nicht den Überblick zu verlieren, konzentriert sich Susanne Friedli, Ko-Leiterin der Galerie Annex 14, auf Galerien, mit denen sie bereits Kontakt hat oder die ihr durch ihr Programm aufgefallen sind. Helen Hirsch, Direktorin des Kunstmuseums Thun, studiert vorab den Katalog nach möglichen Highlights. Und Kunstsammlerin Sabine Hahnloser lässt sich vorab Informationen und Fotos zu interessanten Künstlern und Themen schicken. Zwar verfolgt sie als Sammlerin eine klare Zielsetzung, doch auch das Schlendern und das Schauen sind wichtig: «Ich möchte so viel Kunst wie möglich geniessen.»

Auch Marlies Kornfeld hält Kontakt zu «ihren Galerien». Als unkonventionelle Sammlerin aber lässt sie sich auch gern auf Neues ein und geht an die Art «wie in ein Wunderland». Kunstkritiker Konrad Tobler begreift die Art als «Sinnbild für die Unübersichtlichkeit der Gegenwartskunst» und lässt sich treiben. Videokünstler Peter Aerschmann folgt auf seiner Tour d’Art gern Tipps von Freunden. Auch Claudia Jolles, Chefredaktorin des «Kunstbulletins», schwört auf Austausch: «Entdeckungen macht man über Gespräche.» Mancher gehe nur zur Art, um zu quatschen, lästert Philippe Pirotte. Der Leiter der Kunsthalle Bern hingegen will «so viel wie möglich sehen und so wenig wie möglich reden».

Reinigende Kraft der Krise

Manchem Kunstfreund wird der Messetrubel auch zu viel: aberwitzige Preise, Schlange stehende Käufer. Sammler Jobst Wagner verzichtete im vergangenen Jahr bewusst auf den Art-Besuch. Nun möchte er, nach der Zäsur der Finanzkrise, die Art «mit neuen Augen» betrachten. Auch andere Kunstkenner hoffen auf die reinigende Kraft der Krise und die Rückbesinnung auf Inhalte der Kunst. Merken werde man von der Krise an der Art nichts, glaubt Galerist Bernhard Bischoff. Wenn grosse Galerien sparen, treffe das erst die kleineren Messen. «Die Händler werden vermeiden, eine depressive Stimmung aufkommen zu lassen», sagt auch Matthias Frehner, Direktor des Kunstmuseums Bern, für den der Art-Besuch einer Entdeckungsreise gleicht. (ah)



>

Erstellt: 08.06.2009, 01:16 Uhr

Gratis ePaper für «Bund»-Abonnenten

Weblog «KulturStattBern»