Packende Präsenz und überragende Leichtigkeit

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Edita Gruberova Ob es die leichte Angespanntheit in der ersten Arie aus Mozarts «Don Giovanni» war, oder ob ganz einfach die Lust der Beschleunigung anklingt, jedenfalls trieb Edita Gruberova im «Per lui pietà» der verzweifelten Donna Elvira die Koloraturen voran, dass unschwer auszumachen war, wer hier Tempo und Gangart vorgab.

Von Anfang an war die Spannung im ausverkauften Saal des Casino Bern mit Händen zu greifen: Wie klingt heute die Stimme, die dem Koloraturfach des Belcanto eine eigene, weder mit einer Callas noch mit einer Sutherland vergleichbare Richtung gewiesen hat?

Charakterisierungskunst

Die Koloratursopranistin Edita Gruberova verkörpert in ungezählten Rollen die kämpferische, aber scheiternde Tragödin, auch dort, wo ihre helle und ungemein leicht erscheinende Stimme abzuheben scheint. Ob sie auch die idealen stimmlichen Voraussetzungen für die Elettra aus Mozarts «Idomeneo» mitbringt? Das aggressive Skandieren ihrer Rachegefühle in der atemlos wirkenden Arie «Tutte nel cor vi sento» wirkt etwas leicht gefügt. Wenn aber dieselbe Elettra am Ende ihrer zweiten Arie «D’Oreste, d’Ajace» die hochgeschraubten Koloraturen in ein irres Lachen münden lässt, dann erhält das Wort Charakterisierungskunst eine ergreifende Bedeutung.

Natürlich sind auch bei Gruberova die weitgespannten Melodien eines Donizetti oder Bellini schön und spannungsreich. Der Unterschied gegenüber vielen Interpretinnen besteht aber in der Ausgestaltung der Details. Gruberova haucht den Linien durch plötzliche dynamische Wendungen, durch Zurücknahmen ins Pianissimo oder vergleichbare Ausdruckswechsel neues Leben ein und macht die gängigsten Wendungen interessant. Dies galt im Konzert sowohl für die Auftrittsarie der Lucrezia in Donizettis «Lucrezia Borgia», dies galt noch mehr in der Schlussszene der Imogene aus Bellinis «Il Pirata». Die Sängerin weiss hier die elegisch-melancholische Stimmung, die der Komponist in der Instrumentation mit Englischhorn und Harfe vorbereitet, stimmlich aufzugreifen. Es wundert nicht, dass das Charakteristische und Anrührende gerade dieser Oper bei der Uraufführung als neuartig, ja als revolutionär empfunden worden ist.

Ralf Weikert und die Württembergische Philharmonie waren der Sängerin echte Partner. Seien es die unterhaltenden Einlagen von Antonio Salieri im ersten, seien es die beiden Ouvertüren im zweiten Teil, Weikert musizierte engagiert mit dem Orchester. Die Sinfonia zu Donizettis «Roberto Devereux» darf auch als eine Hommage an die Solistin verstanden werden, hat sie doch in jüngerer Zeit gerade in diesem Werk eine einzigartige Interpretation kreiert. In Rossinis «Semiramis»-Ouvertüre demonstrierte das Orchester insbesondere seine bläserischen Qualitäten.

Begeisternde Zugaben

Die mit stehenden Ovationen geforderten Zugaben aus Donizettis «Linda di Chamounix» und Bernsteins «Candide» bestätigten indes noch einmal, in welchem Mass der Star des Abends lyrische Momente sowie den Charme des Virtuosen auf sensationelle Art, mit packender Präsenz ebenso wie mit überragender Leichtigkeit auszugiessen vermag. (Der Bund)

Erstellt: 30.12.2008, 12:06 Uhr

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