Im Durcheinandertal der Frühgeschichte

Der Computeranimationsfilm «Ice Age: Dawn of the Dinosaurs» hält mühelos das Niveau seiner beiden Vorgänger – unabhängig davon, ob man sie in der konventionellen zweidimensionalen oder in der 3-D-Version sieht.

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Der Abgrund, der es von der Eichel trennt, macht dem Eichhörnchen Scrat nicht viel Angst: Auf dem Weg zum Objekt seiner Begierde hat es in den zwei vorangegangenen «Ice Age»-Komödien schliesslich schon viele Katastrophen überlebt und dabei ganze Kontinente zum Einsturz gebracht.

Wie Scrat aber in der Ouvertüre von «Ice Age: Dawn of the Dinosaurs» den Abgrund hinter sich gebracht hat, sieht er sich mit einer ganz neuen Herausforderung konfrontiert: Hinter dem Baum, wo die eben noch nah gelegene Eichel verschwunden ist, sieht er zum ersten Mal in seinem Leben einen Artgenossen, genauer: eine Artgenossin. Ihr Tanz lässt Scrat sichtlich warm ums Herz werden. Scrattie aber ist auf die Eichel ebenso scharf wie Scrat. Und so kommt es zwischen den beiden schon wenige Sekunden nach dem ersten Kontakt zu einem Streit.

Doppelbödiger Humor

Bereits die exzellente Ouvertüre enthüllt, warum die beiden Vorgänger so erfolgreich waren und auch die dritte Computeranimationskomödie um die Abenteuer frühzeitlicher Tiere für volle Kassen sorgen wird. Die ewigen Fragen um die Unterschiede der Geschlechter und um das Problem, private und berufliche Glücksvorstellungen unter einen Hut zu bringen, über die es Hunderte von dialogintensiven Studiofilmen gibt, werden hier übersetzt in handfesten und fantasievollen Slapstick, der verschiedene Generationen anzusprechen vermag: Die Kinder erfreuen sich an schnell und witzig geschilderten Situationen, die Eltern und Grosseltern können sich darüber hinaus über den ihnen bestens vertrauten Subtext der Ereignisse amüsieren. Durchwegs doppelbödig ist der Humor im dritten «Ice Age», bei dem wiederum Carlos Saldanha als einer von zwei Regisseuren verantwortlich zeichnet (Ko-Regie: Mike Thurmeier).

Neben dem bereits erwähnten Beziehungsclinch von Scrat und Scrattie gibt es beispielsweise die Geschichte des Mammutpaars Manny und Ellie, in der die Leiden und Freuden werdender Eltern geschildert werden. Das Drama um alternde Kämpfer, die wegen schwindender Kräfte einen neuen Platz im Leben suchen müssen, findet sich in der Geschichte des Säbelzahntigers Diego, und für jene Sozialarbeiter, die ihre Fürsorglichkeit an falschen Objekten ausleben, steht das Faultier Sid, das ausgerechnet für drei Dinosaurierbabys eine gute Mutter und ein guter Vater zugleich sein will.

Buck im «Jurassic Park»

Womit schon gesagt ist, dass die dritte «Ice Age»-Story in ein Durcheinandertal der prähistorischen Erdgeschichte führt: Nachdem sich Sid, Manny und Co. im ersten «Ice Age»-Streifen rührend um ein Menschenkind gekümmert haben, verschlägt es sie diesmal in die Welt eines unter der Eisschicht gelegenen «Jurassic Park», obschon Dinosaurier eigentlich über 60 Millionen Jahre vor dem Auftauchen der ersten Menschen ausgestorben sind. Das kann man den Machern aber nicht übel nehmen, denn in Märchen ist grundsätzlich alles erlaubt, solange sie gut unterhalten und ihre moralischen Lektionen nicht mit wedelndem Zeigefinger präsentieren.

Diesbezüglich sind bei «Ice Age: Dawn of the Dinosaurs» keine Einwände zu machen. Die kurzweilige Komödie ist im 3-D-Verfahren gestaltet worden, doch hat das Team um Carlos Saldanha nicht dazu tendiert, einfach viele Szenen zu erfinden, in denen alle möglichen Gegenstände in Richtung Publikum geworfen werden. Immer steht die geschickt aufgebaute Handlung, deren verschiedene Stränge einmal mehr durch eine Reise und eine Suche zusammengehalten werden und die mit dem Riesenechsen jagenden Wiesel Buck auch eine tolle neue Figur einführt, und nicht Effekthascherei im Vordergrund.

Und deshalb spielt es keine grosse Rolle, ob man sich den Film in der konventionell zweidimensionalen oder in der 3-D-Version ansieht: Er bietet so oder so höchst vergnügliches Entertainment. (Der Bund)

Erstellt: 15.10.2009, 17:51 Uhr






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