Zeitung heute

«Gründet euren eigenen Verein!»

Von Brigitta Niederhauser. Aktualisiert am 01.12.2008

Am «Kulturgipfel» trat Veronica Schaller, Berns neue Kultursekretärin, erstmals öffentlich auf und zeigte sich enttäuscht von der neuen Kulturstrategie des Kantons Bern.

Berns Kultursekretärin Veronica Schaller.

Berns Kultursekretärin Veronica Schaller. (Bild: Adrian Moser)

Nach kurzer Zeit bereits dreht sich an der Podiumsdiskussion zum Thema «Kulturpolitik – von der staatlichen Kulturförderung zum Kunst-Happening», die gestern im Kino im Kunstmuseum Bern stattgefunden hat, alles ums Geld. Doch nicht die Frage, wie Kulturgelder besser verteilt werden könnten, erhitzt die Gemüter. Zu einem kleinen Schlagabtausch kommt es nur, als die Besteuerung von Kulturpreisen und Werkjahren zur Sprache kommt. Hier widerspricht Pius Knüsel, Direktor der Kulturstiftung Pro Helevetia, vehement Berns neuer Kultursekretärin Veronica Schaller, die sich darüber aufregt, dass ein Teil der Preisgelder dem Steueramt wieder zurückgegeben werden muss. Knüsel ist der Ansicht, dass in diesem Punkt die Kulturschaffenden den übrigen Bürgerinnen und Bürgern der Schweiz gleichgestellt und Preisgelder weiterhin zum Einkommen gezählt werden sollen.

In der vom Kulturjournalisten Konrad Tobler moderierten Runde ist Veronica Schaller die Einzige, die mit Statements aufwartet, die eine vertiefte Diskussion verdient hätten. So zeigt sie sich enttäuscht über die neue Kulturstrategie des Kantons Bern: «Es bleibt alles wie bisher, es werden einfach nur ein paar Millionen Franken verschoben.»

Sicherheit und Tipps

Was das neue Kulturförderungsgesetz des Bundes betrifft, so weist Heinrich Gartentor darauf hin, dass es immerhin gelungen sei, neue Aspekte einzubringen, zum Beispiel die soziale Sicherheit der Kunstschaffenden. Während zweier Jahre amtete der Thuner Künstler als erster Kulturminister der Schweiz. Andrea Leila Kühnis Kurzfilm über Gartentors Regierungszeit (Filmkritik siehe «Bund» vom 27. 11.) ist der Vorspann der kurzen Diskussionsrunde, die über eine angeregte Plauderei nicht hinauskommt.

So witzig und subversiv sich Gartentor im Film präsentiert, so realpolitisch sind seine Anliegen: Als Präsident der Visarte (Berufsverband visuelle Kunst) setzt er sich dafür ein, dass künftig beim Handwechsel von Werken, die eine Wertsteigerung erfahren haben, für die Künstler etwas abfällt. Adi Blum, einer der Initiatoren des Kulturministeriums, ergänzt, dass der neue Kulturminister, der Schriftsteller Dominik Riedo, sich für Bibliothekstantiemen stark mache. Was die wirtschaftliche Situation Kulturschaffender grundsätzlich betrifft, so rät Gartentor: «Gründet euren eigenen Verein!» Das sei nicht nur steuergünstiger, angestellt vom Verein könne man als Arbeitsloser auch stempeln gehen.

(Der Bund)

Erstellt: 01.12.2008, 11:48 Uhr

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