Zeitung heute

Ein Dead Brother kehrt zurück

Von Manuel Gnos. Aktualisiert am 02.06.2009

Evelinn Trouble, die junge Sängerin aus Zürich, steht am Eingang zum Backstage-Bereich. Es ist Sonntagabend an der Bad Bonn Kilbi 2009 und es herrscht Verwirrung, denn der Torwächter will ihr trotz ihrem Backstage-Pass keinen Zugang gewähren.

Sie habe gestern gespielt und deshalb gelte ihre Zugangskarte heute nicht mehr. Belustigt zieht Fräulein Trouble von dannen und holt sich ihr Mineralwasser anderswo.

Hohe Schweizer Qualität

Diese Anekdote steht in schönem Kontrast zum Stellenwert, den Schweizer Musik in Düdingen geniesst. Veranstalter Daniel Fontana hat dort seit 1991 vielen Bands zu einem Auftritt verholfen, die sich erst später einen grossen Namen machten.

An der diesjährigen Kilbi war das nicht anders: Im Programm standen unbekanntere Namen (Black Cargoes oder Grey Mole) neben jenen gestandener Herren (Reverend Beat-Man, Pierre Omer oder Kummerbuben) sowie neben dem grossen Namen der aktuellen Schweizer Pop-Musik: Sophie Hunger.

Erfreulich war, dass sich die Schweizer Bands nicht hinter der hochkarätigen internationalen Konkurrenz an der Kilbi verstecken müssen. Einheimische Bands werden heute nicht mehr mit anderem Massstab beurteilt. Oder wie die «Wochenzeitung» kürzlich schrieb: «Guter Pop existiert in der Schweiz seit Langem, aber so hoch wie heute waren Qualität und Breite noch nie.»

Herausragend war der Auftritt von Pierre Omer. Der Ex-Dead-Brother, der sonst meist solo auf der Bühne steht, holte mit seiner Begleitband Grey Mole aus Luzern die Weiten des Mittleren Westens der USA in die Freiburger Provinz. Was die fünf Herren auf die Bühne zauberten, war von seltener, wohltuender Schönheit: einfache Lieder mit spanischem Herzblut, staubigen Americana-Klängen und warm hüpfenden Basslinien. Die Band liess trotz ihren Jazz-Wurzeln viel burleske Rumpeligkeit einfliessen und verlieh Omers grossen Liedern zusätzliche Tiefenschärfe.

Gescheitertes Experiment

Enttäuschend war dagegen der Auftritt von Sophie Hunger und Band. Die zarten Songs der Zürcher Sängerin vermochten vor dem geschwätzigen Publikum nicht zu bestehen. Zwar gab es durchaus lautere und druckvollere Passagen, doch da sehnte man sich in Hungers Indie-Rock-Zeiten mit der Band Fisher zurück. Das Experiment Openair muss in dieser Form für gescheitert erklärt werden, dass sie es trotz schwierigen Voraussetzungen gewagt hat, spricht wiederum für sie. (Der Bund)

Erstellt: 02.06.2009, 08:53 Uhr

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