Shnit verdoppelt Besucherzahl
Stichworte
Rund 300 Filme wurden am diesjährigen Kurzfilmfestival Shnit gezeigt, das gestern Abend in Bern zu Ende ging. Mit fast doppelt so vielen Besucherinnen und Besuchern wie letztes Jahr kann die Festivalleitung erneut einen erfreulichen und verdienten Publikumszuwachs registrieren. Sehr gut besucht waren insbesondere die Schweizer Wettbewerbsblöcke «Swissmade» sowie die Beiträge im internationalen Wettbewerb «Shnit-Open».
Umgang mit dem Fremden
Der mit 13000 Franken dotierte Jurypreis «Long John» für den besten internationalen Kurzfilm über zehn Minuten ging an die israelische Produktion «Ba-derech le Tel-Aviv» («On the Road to Tel Aviv»). Der Filmemacher Khen Shalem erzählt mit einfachen Mitteln eine bewegende Geschichte über «den Zusammenhang zwischen Hass und Furcht», wie er es selber beschreibt, ausgehend von der Beziehung der Israelis zu den Palästinensern. Im Film wird eine junge Araberin zu Unrecht von den Insassen eines Reisebusses als Terroristin verdächtigt. Während der Buschauffeur sie in Schutz nimmt, bricht unter den Reisenden Panik aus. Shalems Kurzfilm dokumentiert eine beeindruckend einfühlsam inszenierte Begebenheit, die den menschlichen Umgang mit dem Fremden thematisiert.
Verwirrte Autofahrer
Den «Magic Jack» gewann die Engländerin Laurie Hill mit ihrer hervorragenden Film-Collage «Photograph of Jesus», ein umwerfend brilliantes Filmbijou. Per Kamerafahrt wird der Zuschauer durch einen traumartigen Flug quer durch die Innenräume eines Fotoarchivs mitgenommen, während eine Stimme aus dem Off die unglaublichsten Anfragen aufzählt, mit denen die Mitarbeiter konfrontiert waren. Eine davon war tatsächlich die Bitte um eine Fotografie von Jesus.
Ebenso witzig und dabei von genialer Einfachheit ist der Kurzfilm «Terminal Communication» des diesjährigen «Smart Joe»-Gewinners Michael Fortune aus Irland. Er zeigt eine dreiminütige Aufnahme eines Terminals, wo Automobilisten vier verschiedene Möglichkeiten des Einspurens offen stehen. Nur scheint dies der Mehrheit der Reisenden zu schnell zu gehen: Die Verwirrung zeichnet sich als obligate Schlangenlinie quer über alle vier Spuren ab, Wagen schlenkern hin und her oder drehen nicht selten eine Extrarunde. Menschliche Überforderung im Gewand der gefühlstoten Technologie.
Kreatives aus der Schweiz
Der Swiss Award ging heuer an den Zürcher Chris Niemeyer mit seiner in Argentinien gedrehten Komödie «Las Pelotas». Darin zetteln zwei Männer einen Frauentausch an, um beim erhofften männlichen Nachwuchs die richtige Genmischung für einen Profi-Fussballer zu erzielen.
Grossen Anklang beim Publikum fand ausserdem der animierte Diplomfilm «Signalis» des Schweizers Adrian Flückiger. Hauptakteur ist Erwin, ein Wiesel, das im Innern einer Ampel lebt und die Lichter ein- und auszuschaltet. Eine äusserst kreative Produktion, die nicht nur durch Einfallsreichtum, sondern auch durch eine liebevolle Machart überzeugt. (Der Bund)
Erstellt: 12.10.2009, 13:53 Uhr




