Ungewollte Ehrenrunde für Bieler Stadien
Von Timo Kollbrunner. Aktualisiert am 09.09.2009
In Biel muss noch einmal über das Stadionprojekt «Stades de Bienne» abgestimmt werden. Das Projekt, dass 2007 von einer grossen Mehrheit der Stimmbürger angenommen wurde, kann nicht wie geplant realisiert werden. Grund der gestern an einer Medienorientierung kommunizierten Änderung ist die Befürchtung, die Mantelnutzung könne in der vorgesehenen Art und Weise nicht profitabel gestaltet werden. Zu diesem Schluss war das Bauunternehmen HRS gekommen, das die Stadien bauen soll. Das Unternehmen hatte in der Folge das Baubewilligungsverfahren sistiert und beim Gemeinderat eine Projektanpassung verlangt.
«Das muss man machen»
Unter den Stadien war ursprünglich ein Fachmarkt geplant, in dem Firmen auf grossen Flächen Non-Food-Artikel anbieten sollten. Der Fachmarkt war insbesondere so geplant worden, damit er die Geschäfte in der Innenstadt nicht konkurrenziert. Deshalb sollten kleine Läden sowie der Verkauf von Lebensmitteln nicht erlaubt sein. Bei Gesprächen mit Detaillisten habe sich jedoch herausgestellt, dass die meisten nur dann ein Interesse an einem Einzug ins Stadion haben, wenn sie kleinere Filialen einrichten könnten und wenn es im Fachmarkt gleichzeitig einen Lebensmittelbereich gebe, der Kunden anziehe, sagte HRS-Geschäftsführer Martin Kull. In der neuen Variante werden die Forderungen der HRS berücksichtigt. Die Mindestfläche für die Fachmärkte wird auf die Hälfte reduziert und beträgt neu 1250 Quadratmeter. Zudem wird ein Lebensmittelbereich auf maximal 1500 Quadratmetern zugelassen. «Gestützt auf die Resonanz des Marktes muss man das nun machen», sagte Kull . Aus der Sicht der Stadtverantwortlichen stellen diese Änderungen «keine existenzielle Bedrohung» der Läden in der Innenstadt dar.
Im Gegenzug wird die Nutzfläche für den geplanten Fachmarkt um knapp einen Drittel verkleinert. Statt der ursprünglichen 30000 beträgt diese nur noch 21000 Quadratmeter. Neu sollen nur die beiden Stadien, nicht aber der ans Fussballstadion angrenzende Trainingsplatz unterbaut werden. Mit dieser Reduktion soll gewährleistet werden, dass das zulässige Verkehrsaufkommen nicht überschritten wird. «Wir haben uns entschieden, die Reduktion der Nutzfläche in Kauf zu nehmen, wenn wir dafür einen Foodbereich machen können», sagte Kull. Äusserlich wird die Anlage genau so aussehen wie ursprünglich geplant.
Das Risiko liegt bei der HRS
«Das Risiko liegt nun zu 100 Prozent bei der HRS», sagte Stadtpräsident Hans Stöckli. Die HRS hat sich verpflichtet, die Stadien bis zum 1. November 2010 zu erstellen. Der Baubewilligungsprozess wird nun sofort wieder aufgenommen. Die Garantie des Bauunternehmens gegenüber der Stadt ist wie folgt: Lehnen die Stimmberechtigten die Änderung ab und die HRS entschliesst sich, die Stadien nicht zu bauen, schuldet das Unternehmen der Stadt fünf Millionen Franken. Stimmen die Bürger zu und die HRS realisiert die Stadien aus wirtschaftlichen Gründen dennoch nicht, ist das Unternehmen zu einer Zahlung von sieben Millionen Franken verpflichtet. (Der Bund)
Erstellt: 09.09.2009, 08:11 Uhr



