Zeitung heute

BLS setzt auf Doppelstockzüge

Aktualisiert am 31.12.2008

Jahrelang stellte sich die BLS gegen Doppelstockzüge für die S-Bahn. Nun sollen diese aber schon ab 2013 mehr Sitzplätze bieten – etwa nach Thun.

Es ist ein klarer Bruch mit der bisherigen Strategie: Lange verzichtete die BLS AG für die Berner S-Bahn auf Doppelstockzüge, jetzt will sie solche beschaffen. Vor Kurzem hat der BLS-Verwaltungsrat die neue Flottenstrategie der BLS-Spitze um Bernard Guillelmon gebilligt. Demnach will die BLS für die Berner S-Bahn 28 Doppelstockzüge kaufen; die Ausschreibung soll bis im Herbst 2009 erfolgen. Bereits ab Dezember 2013 sollen die Züge im Rahmen der zweiten Teilergänzung der Berner S-Bahn etwa auf der stark frequentierten Linie von Thun nach Freiburg zum Einsatz kommen. Dies bestätigte BLS-Sprecher Olivier Bayard dem «Bund». Den notwendigen Kredit in Millionenhöhe muss der BLS-Verwaltungsrat aber erst noch sprechen – auch der Kanton muss grünes Licht geben.

Mehr Sitzplätze, günstiger Preis

Die Kehrtwende der BLS ist insbesondere für die Agglomerationsgemeinden im Aaretal wie Gümligen oder Münsingen von Bedeutung. Vor Kurzem hatte der Bund in seinem Agglomerationsprogramm nämlich den Bau des dritten Gleises zwischen Gümligen und Münsingen, welches den Viertelstundentakt auf der S-Bahn-Linie 1 ermöglicht hätte, auf unbestimmte Zeit zurückgestuft. Die Doppelstockzüge können zumindest mittelfristig eine Entspannung bringen (siehe auch «Bund» vom 17.12.2008). Längerfristig bleibt das dritte Gleis aber dringend notwendig, da es nicht nur der Berner S-Bahn nützt, sondern auch als nationaler Zubringer zum Lötschberg-Basistunnel dient.

Wegen des ständig wachsenden Verkehrs setzen immer mehr Bahnen auf Doppelstöcker, welche für einen günstigen Preis mehr Sitzplätze bieten. Denn der Ausbau der Bahninfrastruktur hält mit dem Wachstum der Passagierzahlen kaum Schritt – die regionalen Begehrlichkeiten sind gross und die verfügbaren Bundesgelder knapp. Bis Ausbauten zur Verfügung stehen, vergeht meist viel Zeit. Die SBB etwa wollen deshalb auch im Fernverkehr auf der West-Ost-Achse ganz auf Doppelstockzüge setzen und haben jüngst für die Zürcher S-Bahn weiteres Material im Wert von rund einer Milliarde bestellt.

Ein halbes Jahr nach dem Amtsantritt des Direktors Bernard Guillelmon hat die BLS nun ihre Strategie gewechselt. Bereits 2005 hatte sie Doppelstockzüge versuchsweise eingesetzt. Damals war sie aber zum Schluss gekommen, dass diese für das Aaretal zu Spitzenzeiten zwar geeignet, in der übrigen Zeit aber überdimensioniert wären. Die Beschaffung hätte laut dem damaligen Direktor Mathias Tromp zudem rund fünf Jahre gedauert. Dieser Zeitrahmen entspricht nun aber offenbar nicht der Realität.

Türen öffnen auf die falsche Seite

Im Moment fahren zwischen Thun und Freiburg bereits Doppelstöcker: Wegen der verspäteten Ablieferung von Zügen setzt die BLS bis im Frühling mietweise einen Zug der Deutschen Bahn ein. Dabei ist es aber zu Problemen mit der Türsteuerung gekommen, wie «Tele Bärn» gestern berichtete. Die Türen lassen sich beim Aussteigen teilweise auch auf die falsche Seite hin öffnen – was bei den hohen Geschwindigkeiten der Züge im Aaretal gefährlich ist. Die BLS setze Zugbegleiter ein und informiere per Lautsprecher, sagte Olivier Bayard.











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Erstellt: 31.12.2008, 01:16 Uhr

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