Überrissener Bahnausbau

Das lässt aufhorchen: Für mehr als 100 Millionen Franken wollen der Bund und die BLS die Linie Bern–Neuenburg ausbauen und damit Berns TGV-Anschluss sicherstellen. Doch die Zweifel nehmen zu, ob es den Ausbau in dieser Form braucht. Denn just die Zukunft des Berner TGV ist ungewiss. Laut seiner Betreiberin ist der TGV durch den Jura zu langsam – und wird trotz Ausbauten auch nie viel schneller werden. Im Verkehr in die Schweiz setzen die Franzosen längst voll auf neue Linien über Strassburg–Basel, Genf und ab 2011 über Belfort. Bern gerät ins Abseits. Schon heute ist die Verbindung mit Umsteigen in Basel für Berner schneller – und wird bald noch attraktiver. Es wäre billiger, TGVs ab Bern via Basel anzubieten, die erst noch schneller sind.

Jetzt wird klar, dass es sich beim Projekt um einen Etikettenschwindel handelt, wie die SBB schon 2005 sagten. Denn der Ausbau der Linie ist weniger für den Anschluss der Schweiz an den TGV entscheidend, sondern nützt primär dem Regionalverkehr von Bern nach Neuenburg. Dort wurden jahrelang Ausbauten versäumt. Nun sollen sie aus dem Hochgeschwindigkeitstopf des Bundes berappt werden. Bern ist dabei kein Einzelfall. Dies veranschaulicht das Dilemma der Schweizer Verkehrspolitik: Im Ringen um die Gelder aus dem Hochgeschwindigkeitstopf äusserten die Kantone Sonderwünsche. Um das Paket durchzubringen, drückte das Parlament die Augen zu – mit massiven Kostenfolgen. Es ist noch nicht zu spät: Im Interesse der gesamten Verkehrspolitik muss überprüft werden, ob der teure Ausbau in dieser Form tatsächlich nötig ist. Denn die Zeche für Bahnausbauten zahlen letztlich auch die Kunden – schon mit der nächsten Tariferhöhung.>

Erstellt: 17.04.2009, 01:15 Uhr




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