Zeitung heute
Kommentar: Es geht um mehr als ums Etikett
Von Stefan Wyler. Aktualisiert am 02.07.2009
Artikel zum Thema
Stichworte
Von den rechtsbürgerlichsten SVPlern bis zu linken Sozialdemokraten reichte die breite Allianz bernischer Politiker, die im letzten Jahr forderte, Bern müsse als «Metropolitanraum» ins neue Raumkonzept des Bundes aufgenommen werden. Die Bundes-Raumplaner hatten zuvor in ihrem Entwurf nur Zürich, Basel und Genf-Lausanne als Metropolitanräume etikettiert, Bern aber wie Aarau, Luzern oder St. Gallen in die zweite Reihe verbannt.
Mittlerweile haben Berns Politiker raumplanerische Studien gelesen und erkannt, dass es in der Raumplanerwelt mit dem Etikett «Metropole» schwer werden dürfte. Berns Politik hat darum eine neue Sprachregelung gefunden. Justizdirektor Christoph Neuhaus und der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät haben sie gestern vorgestellt. Tenor: Bern ist zwar kein Metropolitanraum, gehört aber als «Hauptstadtregion» und wichtiges Politzentrum dennoch in die erste Reihe.
Es geht beim ganzen Streit natürlich um mehr als nur um ein Etikett oder verletzten Bernerstolz. Es geht um viel Geld. Idee eines Raumkonzepts ist die Steuerung der Siedlungs- und Wirtschaftstätigkeit. Und das neue Raumkonzept könnte durchaus einst als Entscheidgrundlage dafür dienen, wo der Bund grosse Infrastrukturprojekte subventioniert und wo nicht.
Über die grossen Geldflüsse aber entscheiden am Ende nicht die Raumplaner, sondern die Politiker. Und wenn Bern wirklich ein so wichtiges Politikzentrum ist, wie es Tschäppät und Neuhaus darstellen, dann müssten Berns Politakteure im Verteilkampf um die Bundessubventionen eigentlich ohne grosse Mühe erfolgreich sein. (Der Bund)
Erstellt: 02.07.2009, 07:45 Uhr


