Kaution für die Geiseln?

Von Daniel Friedli, Bern; Astrid Frefel, Kairo. Aktualisiert am 02.09.2009

Der Streit zwischen der Schweiz und Libyen spitzt sich wieder zu. Libyen will die Geiseln offenbar nur gegen Kaution freilassen. Die FDP verlangt, dass der Bundesrat heute den Vertrag aussetze.

Feuerwerk und Paraden in Tripolis; Ratlosigkeit und Wundenlecken in Bern. Die beiden Libyen-Geiseln sind auch am 1. September, zur grossen Jubiläumsfeier von Moammer al-Ghadhafis Revolution, nicht zurückgekehrt. Und statt von einer Amnestie durch den Revolutionsführer war nun plötzlich von einer Kaution die Rede. Ein Beobachter mit Kontakten nach Tripolis sagte auf Anfrage, die Schweizer müssten je 430 000 Franken bezahlen, bevor sie das Land verlassen dürften. Offiziell bestätigt wurden diese Berichte nicht.

In Bern wurde darüber gerätselt, wie es weitergehen soll. Auf eine harte Linie ist die FDP umgeschwenkt. Sie forderte den Bundesrat auf, den Vertrag zu sistieren, solange die Geiseln nicht frei seien und Libyen nicht einen Vertreter für das Schiedsgericht bestellt habe. Auch die Kritik an Merz wurde lauter. Er habe ein Debakel angerichtet, kritisierten gestern Aussenpolitiker. Ein Rücktritt, wie er da und dort gefordert wurde, ist für Merz aber kein Thema.

Auf die Gnade Ghadhafis wartete gestern nicht nur die Schweiz vergeblich. Er wandelte zwar in einer Amnestie mehrere Todesurteile in lebenslängliche Haftstrafen um. Der Appell der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, repressive Gesetze abzuschaffen und die politischen Gefangenen zu befreien, verhallte aber ungehört. (Der Bund)

Erstellt: 02.09.2009, 08:09 Uhr

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