Hitze & Dürre in Texas
Die Dürre in Texas wird immer unerträglicher. Bei Temperaturen von 38 Grad vertrocknet alles. Am Lake Travis ist der Wasserstand so tief gesunken, dass auf dem Grund Autos auftauchen, die vor Jahren gestohlen und im See entsorgt wurden. In den Strassen der Grossstädte passen Polizisten auf, dass niemand verbotswidrig den Rasen wässert. Eine Telefon-Hotline nimmt Hinweise auf Verstösse entgegen.
Am schlimmsten ist die Dürre in der Mitte und im Süden von Texas. In 230 Versorgungssystemen gibt es verbindliche Beschränkungen für die Entnahme von Wasser, darunter in San Antonio, Dallas, Houston und Austin. In weiteren 60 Gemeinden bestehen Empfehlungen für freiwillige Beschränkungen. «Ich kann mich nicht an eine ähnliche Lage erinnern», sagt der 60-jährige Geschäftsführer des privaten Wasserversorgers in Liberty Hill, Wendell McLeod Corp.
Nicht nur die 1400 Einwohner von Liberty Hill bangen um ihr Trinkwasser. Nach der aktuellen Dürrebilanz des Landwirtschaftsministeriums in Washington besteht in 77 der 254 Bezirke von Texas äusserste oder aussergewöhnliche Trockenheit. In keinem anderen Staat der USA gibt es auch nur einen Bezirk in dieser Kategorie.
In der ausgetrockneten Region von San Antonio und Austin blicken alle besorgt auf die Wasserstände von Lake Travis und Lake Buchanan. Die beiden Seen am Colorado River versorgen mehr als eine Million Menschen mit Wasser. Aber die Bäche, die beiden Seen sonst frisches Wasser zuführen, sind ausgetrocknet. Lake Travis hat nur noch 46 Prozent des durchschnittlichen Wasserstands. Fast alle Bootsanleger haben keinen Zugang mehr zum See.
Auch die Tierwelt leidet
Auch die Tierwelt leidet unter der Dürre. «Wir sehen Hirsche, Rehe und Gürteltiere an Orten, wo sie sonst nie auftauchen», sagt Bob Rose von der Wasserbehörde am unteren Colorado. «Sie dürsten nach Wasser und haben Hunger.»
Die Versorgung von San Antonio ist vor allem vom Grundwasserreservoir Edwards Aquifer abhängig. Dessen Wasserstand ist auf eine Tiefe von etwa 195 Metern zurückgegangen. Wenn dieser noch weiter sinkt, muss die Stadt mit massiven Einschränkungen rechnen.
Schon jetzt wachen etwa 30 Polizisten darauf, dass niemand den Rasen sprengt oder auf andere Art Wasser verschwendet. Seit April wurden deswegen etwa 1500 Geldbussen von mindestens 50 Dollar bis mehr als 1000 Dollar verhängt.
Die Hoffnung auf eine Entspannung ist vor allem mit El Niño verbunden – diese Strömungen im Äquatorialpazifik bringen dem Süden der USA gewöhnlich im Herbst reichlich Regen. So lange muss Liberty Hill noch ausharren. (Der Bund)
Erstellt: 27.07.2009, 10:48 Uhr



