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Progr-Künstler haben genug Geld gesammelt
Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 30.12.2008
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Der Wettbewerb war vorbei, der Sieger schien klar: Im einstigen Stadtberner Progymnasium (Progr) soll nach dem Willen einer Jury unter Stadtpräsident Alexander Tschäppät (sp) ein Gesundheitszentrum entstehen. Das Projekt der Allreal Generalunternehmung und der Bauart Architekten obsiegte gegenüber neun weiteren Eingaben. Die 150 Kunstschaffenden müssen ihre Ateliers bis Ende Juli 2009 räumen. Mitte Oktober haben sie jedoch überraschend angekündigt, den Progr von der Stadt im Baurecht erwerben zu wollen. Mit knappem Mehr gewährte ihnen der Stadtrat eine Frist bis Ende Jahr, um den Finanzierungsnachweis zu erbringen. Diese Frist ist nun offenbar genutzt worden. «Wir reichen morgen bei der Stadt ein Budget über 10,5 Millionen Franken für den Kauf und die Sanierung des Progr ein», sagt Peter Aerschmann, Präsident der Künstlerinitiative Pro Progr. Gemäss einer Medienmitteilung sind für den Kauf des Gebäudes 2,5 Millionen Franken vorgesehen. Die Sanierung wird auf 8 Millionen Franken veranschlagt. Der jährliche Baurechtszins von 320000 Franken und die Betriebskosten sollen zum grössten Teil aus den Mieteinnahmen gedeckt werden.
Geldgeber sind vorläufig anonym
Die Kunstschaffenden mussten bis Ende Dezember Zusagen für 5 Millionen Franken sammeln, damit das Hypotheken-Darlehen der Bank in der Höhe von 5,5 Millionen Franken eingelöst werden kann. Über die Identität der Geldgeber kann Aerschmann nichts Genaues sagen. «Die Zusagen erfolgen vertraulich und werden von einem Anwalt verwaltet.» Dieser habe dem Verein jeweils nur das Total der Zusagen übermittelt. Noch Mitte Dezember waren dies lediglich 1,73 Millionen Franken. An Heiligabend jedoch waren die nötigen 4,5 Millionen beisammen. «Die meisten Zusagen sind im letzten Moment eingetroffen», sagt Aerschmann. Der Verein bemühe sich um weitere Zuwendungen, um die Atelier-Mieten möglichst gering zu halten. Bei mehr als der Hälfte der zugesicherten Geldsummen handle es sich um zinslose oder günstige Darlehen.
Teilweise Rotation in den Ateliers
Zum Nutzungskonzept will Aerschmann keine genaueren Angaben machen, solange die Stadt das Angebot noch nicht geprüft hat. Klar ist, dass eine Stiftung das Haus kaufen und die Vergabe der Ateliers organisieren soll. Dem Stiftungsrat werden nebst den Kunstschaffenden auch Finanzexperten sowie Vertreter von «Partnerorganisationen» angehören. «Eine Stadtbeteiligung wäre hier sehr erwünscht», sagt Aerschmann.
Die Raumbelegung soll teilweise nach dem Rotationsprinzip erfolgen. Ziel ist, dass in rund einem Drittel der 50 Ateliers Mieter-Rotationen stattfinden. Darunter fallen insbesondere die Gastateliers und die von verbilligten Mieten profitierenden Förderateliers. Aerschmann weist darauf hin, dass Kunstschaffende «ohnehin in Bewegung» seien. So finde von Jahr zu Jahr auch ein «natürliche Fluktuation» unter den eingemieteten Künstlern statt.
Eine «gfreute Sache»...
Grünes Bündnis (GB) und SP sind «erfreut» über den Sammelerfolg der Kunstschaffenden. GB-Kofraktionschefin Stéphanie Penher verlangt aber Transparenz bezüglich der Geldgeber und die Ausarbeitung eines langfristigen Betriebskonzepts. Auch SP-Fraktionschefin Giovanna Battagliero fordert den Gemeinderat dazu auf, eine exakte Prüfung des Künstler-Angebotes vorzunehmen.
Mehr Informationen verlangt die neue Fraktion BDP/CVP. Das Künstlerprojekt könnte eine «gfreute Sache» geben, sagt Kofraktionschef Kurt Hirsbrunner. Der Stadtrat könne aber erst entscheiden, «wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen». Michael Köpfli von den Grünliberalen verlangt längerfristige Zusicherungen für die Entrichtung des Baurechtszinses und genauere Angaben zu den Sanierungskosten. Die Grünliberalen seien grundsätzlich offen gegenüber dem Künstler-Projekt. «In der Stadt Bern darf es aber nicht Schule machen, dass die Spielregeln bei Bauvorhaben nachträglich über den Haufen geworfen werden», sagt Köpfli.
...oder ein «gefährliches Zeichen»?
Etwas schärfer äussert sich die FDP: «Das Vorgehen der Progr-Künstler ist alles andere als fair», sagt Kofraktionschefin Dolores Dana. Mit der Berücksichtigung des Künstler-Projektes würde der neue Stadtrat ein «gefährliches Zeichen» aussenden. «Wozu führt die Stadt noch Investorenwettbewerbe durch, wenn deren Ergebnisse ohnehin über den Haufen geworfen werden?» Falls sich der Stadtrat entschliesse, dem Volk eine Variantenabstimmung vorzulegen, müsse sich die Investorin des Siegerprojekts hintergangen fühlen. Dana hegt Zweifel, ob die Geldgeber ihre Zusagen auch einhalten werden. «Wir haben eine Finanzkrise. Vielleicht sieht das für den einen oder anderen rasch wieder anders aus.» Der Gemeinderat müsse die Verbindlichkeit der Geldzusagen jedenfalls genau prüfen, sagt Dana.
«Natürliches» Investoren-Risiko
Laut Stadtpräsident Alexander Tschäppät (sp) brauchen sich die Promotoren des Gesundheitszentrums nicht hintergangen zu fühlen. Bei öffentlichen Wettbewerben liege es «in der Natur der Sache», dass die Ausführung von politischen Entscheiden abhänge. «Der Gemeinderat steht bezüglich des Wettbewerbs zu seinem Wort.» Er werde das Künstler-Angebot prüfen und dem Stadtrat entsprechend Bericht erstatten. Ob das Volk im Mai 2009 über zwei Varianten befinden könne, entscheide das Parlament. Der Finanzierungsnachweis der Künstler müsse aber sicher sein. «Es darf nicht sein, dass die öffentliche Hand für den Progr zahlen muss», sagt Tschäppät. (Der Bund)
Erstellt: 30.12.2008, 09:55 Uhr




