Zeitung heute
Kunstmuseum: «Bedauerlich, aber nachvollziehbar»
Von Simon Jäggi. Aktualisiert am 19.08.2009 1 Kommentar
Der Skulpturenhof des Projekts «Scala»: Der Aarehang wurde dem geplanten Anbau zum Verhängnis. (zvg)
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«In Anbetracht der Mehrkosten hat der Stiftungsrat einen sehr vernünftigen Entscheid getroffen», sagt der grüne Regierungsrat Bernhard Pulver. Mit drei Millionen aus dem Lotteriefonds hätte sich auch der Kanton am Erweiterungsbau am Kunstmuseum beteiligt.
Nun sei es wichtig, dass man am Projekt dranbleibe, so Pulver. Der Projektabbruch sei auch eine Chance, meint der Erziehungsdirektor, der für die kantonale Kultur zuständig ist. So eröffne sich nun die Möglichkeit einer verstärkten Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, sagt Pulver und meint damit vor allem das Zentrum Paul Klee. Schon lange wird von Seiten der Politik eine engere Kooperation der beiden Institutionen gefordert.
Denkbar wäre auch eine Zusammenarbeit mit der Kunsthalle. Jobst Wagner, Präsident der Stiftung Kunsthalle Bern und Mitglied des Stiftung Gegenwart, will hierzu aber noch nichts sagen: «Zu den möglichen zukünftigen Optionen will ich mich erst äussern, wenn diese konkretisiert sind. Auf die aktuelle Sammlungstätigkeit der Stiftung Kunsthalle hat der jetzige Entscheid keinen Einfluss.»
Der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät (sp) findet den Entscheid besonnen, auch wenn er ihn selbstverständlich bedaure. «Der Marschhalt ist vernünftig – der Stiftungsrat nimmt zu einem frühen Zeitpunkt Verantwortung wahr.» Tschäppät verweist auf die jüngsten Fälle von Grossprojekten in der Stadt Bern, wo es zu Kostenüberschreitungen gekommen ist und es zu spät war, um die Notbremse zu ziehen – beim Bärenpark oder der neuen Feuerwehrkaserne im Forsthaus.
Diskussion über neue Standorte
Fürs Kunstmuseum ist die Stadt Bern aber künftig nicht mehr mitverantwortlich, geht es doch gemäss der neuen Kulturstrategie als kulturelles Flaggschiff in die Verantwortung des Kantons über. Dennoch habe freilich auch die Stadt ein Interesse an der Attraktivierung aller Berner Museen – und da gehöre auch die Gegenwartskunst im Kunstmuseum dazu, so Tschäppät. Der Stadtpräsident betont aber, dass das Projekt nicht gestorben sei, sondern lediglich sistiert. Er weist darauf hin, dass nun andere Standorte diskutiert werden könnten. Tschäppät erwähnt etwa die beiden Gewerbeliegenschaften an der Hodlerstrasse 18 und 20, die unmittelbar neben der Drogenanlaufstelle stehen. Die Stadt hat die Häuser im Frühling dieses Jahres für 3,1 Millionen Franken gekauft.
Auch die Kantonsparteien blasen für einmal ins selbe Horn. FDP-Präsident Johannes Matyassy etwa begrüsst, dass der Stiftungsrat die Notbremse rechtzeitig gezogen habe. Ihn erstaune aber, dass im Vorfeld des Wettbewerbes offenbar die Rahmenbedingungen nicht genügend abgeklärt worden seien.
«Wir können uns einfach nicht mehr alles leisten», meint auch BDP-Präsidentin Beatrice Simon-Jungi. Die Vergangenheit habe zudem gelehrt, dass eine Idee besser werden könne, wenn sie nochmals überdacht werden müsse.
Kritik an der Denkmalpflege
Von linker Seite erschallt Verständnis für den Stiftungsrat: Dennoch sei der Entscheid sehr bedauerlich, sagt Blaise Kropf, Ko-Präsident der Grünen. «Der Erweiterungsbau wäre für den Kulturstandort Bern dringend nötig.» Es sei wichtig, dass auch die Gegenwartskunst ihren angemessenen Platz erhalte.
Der Entscheid sei richtig, meint Irène Marti-Anliker, Präsidentin der Sozialdemokraten, auch wenn für das Kunstmuseum als kantonales Flaggschiff der Anbau wichtig gewesen wäre. Im Nachhinein müsse man einen kritischen Blick auf die Denkmalpflege werfen, welche den Bau des Siegerprojekts verhindert habe: «Eine Stadt muss sich auch weiterentwickeln können.»
Architekten nicht erreichbar
Die Tessiner Architekten des Projekts «Scala», Nicola Baserga und Christian Mozzetti, waren gestern auf Anfrage nicht erreichbar. (Der Bund)
Erstellt: 19.08.2009, 17:00 Uhr
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1 Kommentar
Peinlich: Immer soll die Denkmalpflege schuld sein. Bei den Kostenüberschreitungen der Bauprojekte 'Feuerwehrstützpunkt', 'Bärenpark' und 'Weissensteinturnhallen', um nur einige zu nennen, handelt es sich doch eher um Bauherren, die nicht richtig rechnen wollen. Antworten



