Chef mit 3700 Überstunden

Per Ende Juni hat sich Finanzdirektor Urs Gasche (bdp) ebenfalls von einem Chefbeamten getrennt. Neben einer Abgangsentschädigung erhielt dieser noch 3700 Überstunden ausbezahlt.

Im Juli empörte ein anderer Abgang eines Chefbeamten die Öffentlichkeit: In «gegenseitigem Einvernehmen» hat per Ende Juni ein Spitzenbeamter die Finanzdirektion verlassen. Innerhalb von zehn Jahren hatte dieser 3700 Überstunden angehäuft. Dies entspricht der Normalarbeitszeit von deutlich über eineinhalb Jahren. Im Rahmen einer Austrittsvereinbarung sind dem Chefbeamten sämtliche Überstunden ausbezahlt worden. Ausserdem erhielt er eine Abgangsentschädigung in der Höhe eines Jahreslohns sowie finanzielle Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung. Insgesamt nahm der Mann rund eine halbe Million Franken mit auf den Weg.

Rechtlich muss sich BDP-Finanzdirektor Urs Gasche nichts vorwerfen lassen. Auch Spitzenbeamte mit einem Jahressalär von 170000 Franken haben laut Personalgesetz das Recht, Überstunden aufzuschreiben. Übersteigt der Saldo 100 Stunden, muss er jedoch vom zuständigen Vorgesetzten abgesegnet werden. Dies hat Gasche in fraglichem Fall getan. Der Chefbeamte habe verschiedene Zusatzaufgaben übernehmen müssen, dadurch sei es zu den vielen Überstunden gekommen.

Nur halbe Zeit am Arbeitsplatz

Obschon rechtlich unbedenklich: Der Fall sorgte in der Bevölkerung für Empörung – und diese wurde von der SVP genüsslich bewirtschaftet. Sie kritisierte die «überrissenen Sonderprivilegien für Kaderleute» und forderte eine Limite für Überstunden. Gasche will die Praxis nun überprüfen. Er betont jedoch, wenn Kader keine Überstunden mehr aufschreiben dürften, müssten die Grundlöhne erhöht werden.

Der Finanzdirektor hat aber noch einen anderen Fall am Hals. Es liegen Vorwürfe gegen einen Abteilungsleiter seiner Direktion vor. Dieser soll nur die Hälfte seiner Arbeitszeit am Arbeitsplatz anwesend sein und die übrige Zeit einer Nebenbeschäftigung nachgehen. Die Finanzdirektion hat nun einen externen Gutachter mit einer Administrativuntersuchung beauftragt. (rw) (Der Bund)

Erstellt: 05.08.2009, 07:46 Uhr

Gratis ePaper für «Bund»-Abonnenten

Agenda

  • Für den Inhalt dieser Seite ist eine neuere Version von Adobe Flash Player erforderlich.

    Adobe Flash Player herunterladen

Weblog «KulturStattBern»