Schlechte Aussichten für Westafrika

Von Dagmar Wittek, Johannesburg. Aktualisiert am 14.07.2009

Ein neuer Uno-Bericht zeichnet ein düsteres Bild der Korruption und der organisierten Kriminalität in Westafrika. Durch die Missstände würden Demokratie und Entwicklung der westafrikanischen Staaten kräftig untergraben – mit weltweit negativen Auswirkungen.

Drogenbarone und andere Kriminelle sowie korrupte Regierungen ruinieren Westafrika. Das ist die Quintessenz eines letzte Woche vorgestellten Berichts der Vereinten Nationen. Der Bericht des Uno-Büros für Drogen und Kriminalität besagt, dass organisierte Kriminalität Westafrika ausblute und die Sicherheit in der Region gefährde. Illegale Waren strömten nur so durch die Region. Geschmuggelt und geschäftet werde mit Öl, Waffen, giftigem Sondermüll, gefälschten Medikamenten, Frauen, Diamanten und Zigaretten. Der Gewinn, den 45 Millionen gefälschte Malariapillen erbringen (438 Millionen Dollar), ist grösser als das gesamte Bruttoinlandprodukt von Guinea Bissau. Durch Zigarettenschmuggel werden 775 Millionen Dollar Gewinn gemacht, das ist mehr als Gambia umsetzt. Der illegale Handel mit Rohöl und mit Kokain kommt den Bruttoinlandprodukten der Kapverden und Sierra Leone gleich, listet der Bericht auf. Trotz Afrikanischer Union und Institutionen, die die Regierungsführung der afrikanischen Staaten beobachteten, blühe die Korruption bei Regierungsbeamten, so der Bericht der Vereinten Nationen. Demokratie und wirtschaftliche Entwicklung würden so kräftig untergraben.

Ein ernüchternder Bericht. Lediglich einen positiven Trend verzeichnet er: Es fliesst weniger Kokain durch Westafrika nach Europa. In den letzten Jahren war Westafrika zum beliebten Umschlagort vor allem für Drogen aus Kolumbien geworden. Durch die erhöhte internationale Aufmerksamkeit und mehr Kontrollen konnte dies offenbar etwas eingeschränkt werden. Die grösste Bedrohung für Westafrika, so die Vereinten Nationen, gehe vom Kampf um das Öl und von Schmuggelsyndikaten aus, da beides mit Gewaltverbrechen und Unruhen in der Region einhergehe. Nigeria verliere jedes Jahr durch Diebstahl rund 55 Millionen Barrel Öl und damit fast ein Zehntel der Jahresproduktion. Der illegale Rohölhandel ziehe dann häufig auch noch Umweltprobleme nach sich, weil Pipelines angezapft oder gesprengt würden. «Die organisierte Kriminalität blutet Westafrika aus, sie ruiniert Regierungen, zerstört die Umwelt und gefährdet die Gesundheit und die Menschenrechte in der Region», so Antonio Maria Costa, Leiter des Uno-Büros für Drogen und Kriminalität. Auch Müll aus Europa wie zum Beispiel alte Telefone, Handys, Computer und alte Batterien landeten in Westafrika, wo sie zum Gesundheitsrisiko würden, weil es dort keine kontrollierten Sondermüllregelungen gebe. «Westafrika bietet alles, was ein Krimineller braucht: Ressourcen, eine strategisch gute Lage, schwache Regierungen und eine endlose Zahl an Fussvolk, das nur durch kriminelle Tätigkeiten Überlebenschancen sieht», sagte Costa. Diese Mischung stelle ein Sicherheitsrisiko für die Region dar. Rund 80 Prozent aller Zigaretten auf west-, aber auch nordafrikanischen Märkten seien illegal gehandelte, was bedeute, dass Rauchen in West- und Nordafrika Kriminelle unterstütze. Zudem heisst es im Papier, dass 50 bis 60 Prozent aller Medikamente in Westafrika nicht den internationalen Standards entsprächen oder gefälscht seien. Dies stellt auch weltweit ein Gesundheitsrisiko dar, da sich so Resistenzen herausbilden können. Costa rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, Schritte einzuleiten, die all dem entgegenwirken. Der Vertreter der Uno warnte, dass, so lange Korruption und Kriminalität nicht effektiv bekämpft würden, jegliche Bemühungen um Demokratie und Entwicklung ins Straucheln geraten müssten.

> (Der Bund)

Erstellt: 14.07.2009, 09:11 Uhr

Gratis ePaper für «Bund»-Abonnenten

Weblog «KulturStattBern»