Zeitung heute

Papst der Lüge bezichtigt

Papst Benedikt war offenbar über die Banalisierung des Holocaust durch Richard Williamson informiert, als

er diesen und drei weitere Pius-Bischöfe rehabilitierte.

Der Erzbischof von Stockholm, Anders Aborelius, belastet Papst Benedikt schwer. In einer gestern vom schwedischen Fernsehen SVT ausgestrahlten Sendung sagte er, Benedikt XVI. habe von der Holocaustleugnung durch den Traditionalistenbischof Richard Williamson gewusst, als er am 24. Januar die Exkommunikation der vier Pius-Bischöfe aufhob. Drei Tage zuvor, am 21. Januar, hatte das schwedische Fernsehen das schon im November aufgenommene Interview mit Williamson ausgestrahlt, in dem dieser die Gaskammern in Nazi-Deutschland leugnete.

Papst Wochen zuvor informiert?

Der unter Beschuss geratene Papst versicherte stets, er habe vor der Versöhnung mit den Lefebvristen nichts von diesen Aussagen gewusst. Doch Erzbischof Aborelius sagt nun aus, er habe schon Wochen vor der Ausstrahlung des Interviews den Nuntius in Schweden, den Schweizer Erzbischof Emil Paul Tscherrig, über die revisionistischen Äusserungen Williamsons informiert. Worauf Tscherrig gemäss eigener Aussage den Vatikan verständigte.

Vatikan dementiert

Im Fernsehbericht wird Papst Benedikt der Lüge bezichtigt. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi bestritt gestern jedoch erneut, dass der Papst vor der Aufhebung der Exkommunikation über die ungeheuerlichen Behauptungen des Bischofs unterrichtet worden sei. Williamson hatte allerdings schon 1989 in Kanada gesagt: «Die Juden haben den Holocaust nur ausgedacht, damit wir vor ihnen in die Knie gehen und ihren neuen Staat Israel anerkennen.

Die Aussöhnung des Vatikans mit den antisemitischen Pius-Bischöfen hatte zu Beginn dieses Jahres für Schlagzeilen gesorgt und einen beispiellosen Skandal provoziert. Selbst die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den Papst aufgefordert, sich unzweideutig vom Holocaustleugner Richard Williamsonzu distanzieren.



> (Der Bund)

Erstellt: 24.09.2009, 01:15 Uhr

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