WM 2010

So erlebten Nordkoreas Fussball-Fans das 0:7 gegen Portugal

Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 23.06.2010

Die Partie gegen Portugal war die erste Live-Übertragung eines WM-Matchs im nordkoreanischen TV. Was zu einer Werbung für das Regime werden sollte, endete in Gestammel und bleiernem Schweigen.

Nordkoreanische Fussball-Fans verfolgen am TV das Portugal-Spiel. Hinten an der Wand hängt ein Bild von Diktator Kim Jong-il.

Nordkoreanische Fussball-Fans verfolgen am TV das Portugal-Spiel. Hinten an der Wand hängt ein Bild von Diktator Kim Jong-il.
Bild: Keystone

Bis zur 29. Minute schien das «Brot und Spiele»-Konzept der nordkoreanischen Machthaber aufzugehen. Ihr Team verteidigte sein Tor gegen den hohen Favoriten Portugal erfolgreich und schien an die passable Leistung gegen Brasilien (1:2) anknüpfen zu können. Dann aber wurde die optimistische Einschätzung des Verbands-Vizepräsidenten Son Kwang-ho, Nordkorea werde die WM gewinnen, zum Boomerang.

«Unsere Abwehr hat ihn nicht so unerwartet von hinten kommen sehen. Sie sollten vorsichtiger sein, was da von hinten kommt», stammelte der irritierte TV-Kommentator laut «Financial Times» ins Mikrofon, nachdem Raul Mereiles das 1:0 für Portugal erzielt hatte. Kein Wunder, in Nordkorea finden in den Medien sonst keine Negativereignisse statt, jedenfalls keine, die das eigene Land betreffen.

Ein Propaganda-Lied in der Halbzeitpause

In der Pause gabs statt Interviews und Analysen das Propaganda-Lied «Wir lieben unser Land am meisten», untermalt von historischen WM-Bildern. Feiernde Fans im Stadion zeigte das Fernsehen genauso wenig wie die Werbebanner der kapitalistischen Sponsoren.

Nach dem Seitenwechsel brachen bei den Nordkoreanern alle Dämme. 0:4 stand es nach 60, 0:7 nach 90 Minuten. Die letzte halbe Stunde schwieg der verärgerte Reporter komplett. Erst der Schlusspfiff lockerte seine Zunge wieder: «Die Portugiesen haben gewonnen und haben jetzt vier Punkte. Wir beenden die Liveübertragung», so sein lapidarer Kommentar. Es folgten Bilder von Fabrikarbeitern, die Staatschef Kim Jong-il preisen.

Trainer Kim Jong-hun übte sich nach der sportlichen Lehrstunde in Demut: «Wir haben unser Ziel verfehlt, dafür entschuldige ich mich bei unserem Volk.» Ob seine Mannschaft einen zweiten Live-Auftritt am heimischen TV bekommt, ist offiziell noch unklar. Glauben will es aber keiner.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.06.2010, 13:05 Uhr

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