Wie gefährlich Fliegen wirklich ist

Von Walter Jäggi. Aktualisiert am 01.07.2009 42 Kommentare

Eines ist klar: Wer viel reist, lebt am gefährlichsten. Ein Blick in die Statistiken der Verkehrsmittel zeigt aufschlussreiche Fakten.

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Das schlimmste Flugzeuguglück aller Zeiten: Die Kollision eines KLM Jumbos mit einem Jumbo der PanAm auf dem Flughafen Los Rodeos in Santa Cruz auf Teneriffa am 29. März 1977. Dabei wurden 644 Menschen getötet, nur 61 Passagiere überlebten. Der Pilot der KLM-Maschine hatte die Starterlaubnis nicht abgewartet.
Bild: Keystone

   

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Laut Unfallstatistik ist das Flugzeug nach wie vor ein sicheres Verkehrsmittel. Bei welchem Verkehrsmittel haben Sie am meisten Angst vor einem Unfall?

Im Flugzeug

 
28.6%

Im Zug

 
1.8%

Im Auto

 
40.5%

Beim Velofahren

 
29.1%

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Sicherheit der Verkehrsmittel

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Wenn ein Flugzeug von A nach B fliegt, durchquert es mehrere Phasen, die ganz unterschiedlich gefährlich sind. Der Flugzeughersteller Boeing hat die Unfälle aller Linienjets weltweit in den Jahren 1998 bis 2007 analysiert. Das Resultat (siehe Grafik): Gefährlich ist die Endphase des Anflugs und die Landung. Auch beim relativ kurzen Rollen am Boden ereignen sich erstaunlich viele tödliche Unfälle, etwa bei Zusammenstössen, oder wenn ein Flugzeug über die Piste hinausgerät. Am ungefährlichsten ist der Reiseflug, der fast 60 Prozent der Zeit beansprucht, dem aber nur neun Prozent der Unfälle zuzuordnen sind.

Eine andere Sichtweise der Gefährlichkeit zeigt sich in der Unfallstatistik des US-Büros für Verkehrsunfall-Untersuchungen (NTSB): Bezogen auf 100 000 Flugstunden, gab es in den USA letztes Jahr 0,1 Unfälle bei Linienflügen, aber 1,3 bei Chartergesellschaften, 1,5 bei den Taxifliegern und 7,1 bei den in Amerika sehr beliebten Privatflugzeugen.

Überall lauert die Gefahr

Das amerikanische Amt für Luftverkehr (FAA) hat eine Liste der häufigsten Unfallursachen aufgestellt, wie sie aus den Untersuchungsberichten hervorgehen. Hier einige dieser Risikofaktoren:

  • Vogelschlag ist nicht sehr häufig, hat aber oft katastrophale Folgen, weil das Flugzeug in einer heiklen Flugphase ist.
  • Transportgut kann zum Beispiel in Brand geraten oder Rauch erzeugen.
  • Treibstofftanks können explodieren.
  • Piloten können Fehlentscheidungen treffen, oder bei den gegenseitigen Absprachen im Cockpit treten Missverständnisse auf.
  • Wetter, vor allem Eis, kann die Flugeigenschaften der Maschine beeinflussen. Navigationsgeräte oder Steuersysteme können ausfallen, zum Beispiel wegen Wartungsmängeln, oder es können Fehlfunktionen auftreten, beispielsweise Auslösen der Schubumkehr mitten im Flug.
  • Fehler der Flugzeugkonstrukteure können zu schwer erkennbaren Fehleranzeigen im Cockpit führen.
  • Fluglotsen, Mechaniker oder Ladearbeiter können Fehler machen, die ein Flugzeug in Schwierigkeiten bringen.

Es braucht eine Verkettung bis zum Unglück

Wie bei allen Unfällen gilt auch im Luftverkehr: Immer führt eine Verkettung von Faktoren zum Unfall. Und letztlich liegt die Ursache immer bei einem menschlichen Fehlverhalten. Selbst wenn «höhere Gewalt» wie ein Gewitter oder «technisches Versagen» wie ein Materialbruch geltend gemacht werden - jemand hätte das Risiko erkennen können.

Doch wie gefährlich ist das Fliegen im Vergleich mit anderen Verkehrssystemen? Das kommt auf die Statistik an. Misst man die Zahl der verunfallten Toten an der Zahl der zurückgelegten Kilometer und den Passagieren schliesst der Strassenverkehr viel schlechter ab als der Luftverkehr (siehe rechte Grafik). In der Schweiz sterben pro Milliarde Passagierkilometer 5,5 Leute auf der Strasse und nur 0,26 in der Luft. Doch konzentriert man sich auf die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Fahrzeug, in das man steigt, verunfallt, schliessen Autos nicht viel schlechter ab als Flugzeuge, entgegen der Beteuerungen vieler Aviatik-Experten. Laut Boeing-Statistik verunfallte in den letzten Jahren eine von 210 Maschinen weltweit. Im Schweizer Strassenverkehr sind die Zahlen ganz ähnlich: auf 236 Motorfahrzeuge kam im Jahr 2007 ein schwerer Unfall.

Am sichersten ist die Bahn

Doch solche vergleichenden Zahlenspiele sind schwierig, weil die Zahl der Unfälle je nach dem Verkehrssystem in andere Relationen gesetzt werden. Die Werte in unserer Grafik, die sich auf die zurückgelegten Passagierkilometer beziehen, sind deshalb grobe Richtgrössen. Klar ist nur, dass - egal, wie man rechnet - die Bahn das sicherste Verkehrsmittel von allen ist.

Dass die Risiken des Luft- und des Landverkehrs nicht direkt verglichen werden können, hat aber noch eine ganz andere Ursache: Es gibt selten eine echte Wahlmöglichkeit zwischen Flugzeug, Zug, Bus und Auto. Man steigt nicht ins Flugzeug, weil es sicherer ist, sondern weil man schneller ans Ziel kommt oder - bei Überseereisen - weil überhaupt keine Alternative vorhanden ist. Die enormen Kilometerleistungen, die manche Zeitgenossen auf Berufs-, Familien- und Ferienreisen übers Jahr erreichen, wären ohne das Flugzeug gar nicht möglich. Wer aber sehr viele Kilometer zurücklegt, lebt tendenziell gefährlicher, auch wenn die Transportmittel auf den einzelnen Kilometer bezogen als relativ sicher gelten.

Flugunfälle (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.07.2009, 11:43 Uhr

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42 Kommentare

Marc Brunner

01.07.2009, 13:46 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Es gibt genau nur eine aussagekräftige Statistik in diesem Zusammenhang, nämlich: Unfälle pro Zeit, die jemand in einem bestimmten Transportmittel verbringt (Reisezeit). Das ist die einzige Grösse, welche dem 'natürlichen' Risikoempfinden des Menschen entspricht. Ist mir ein Rätsel wieso in Statistiken zu Unfallrisiken nie ein solches Mass verwendet wird. Antworten


Eberhard Rordorf

01.07.2009, 08:53 Uhr
Melden

Es ist absurd die Unfallhäufigkeit pro zurückgelegten Kilometer zu berechnen! Natürlich schneidet hier der Luftverkehr am besten ab. Es wird ja bei einem einzigen Flug oft die Kilometerleistung eines ganzen Jahres Autofahren zurückgelegt. Richtig wäre es, die Unfallhäufigkeit pro Ereignis zu ermitteln. Also, wenn ich einmal ins Flugzeug steige, oder einmal ins Auto. Ist Fliegen da noch sicher? Antworten



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