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Wie eine Kanonenkugel schoss er zur Erde

Von Matthias Meili. Aktualisiert am 15.10.2012

Der Rekordsprung des Extremsportlers Felix Baumgartner war ein Thriller. Nach Stunden der Spannung gelang der historische Rekord.

1/12 «Es ist, als sei eine Last von 20 Tonnen von mir gefallen»: Felix Baumgartner kurz nach seiner Landung auf der Erde.
Bild: Keystone

   

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Abwärts zum Ruhm. Felix Baumgartner hat seinen tollkühnen Stratosphärensprung geschafft. (Video: Reuters )

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Eine erste Aufnahme von Baumgartners Start. (Quelle: Youtube)

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Er hat es getan. Exakt um 20.06 Uhr steigt Felix Baumgartner auf 39'045 Metern Höhe aus seiner Druckkapsel und lässt sich ins Leere fallen. Am Boden fiebern seine Eltern Felix und Eva mit, die Mutter kann sich der Tränen nicht erwehren. Wie eine Kanonenkugel schiesst ihr Sohn der Erde entgegen. Nach rund 45 Sekunden erreicht er eine anfangs geschätzte Geschwindigkeit von 1173 km/h.

Mit dem höchsten Fallschirmsprung aller Zeiten hat der österreichische Extremsportler in Roswell im amerikanischen Bundesstaat New Mexico gestern Geschichte geschrieben. Wie Brian Utley von der Féderation Aeronautique Internationale, welche die Rekordbücher führt, mitteilte, hat Baumgartner eine Geschwindigkeit von 1342,8 km/h oder Mach 1,24 erreicht und damit die Schallmauer klar durchbrochen. Die Schallgeschwindigkeit unter Stratosphärenbedingungen beträgt rund 1100 km/h. Alle Daten wurden von einem Gerät am Körper des Springers lückenlos aufgezeichnet.

Verpasster Rekord

Zwei weitere Weltrekorde hat der «furchtlose Felix» auf jeden Fall gebrochen: den höchsten bemannten Ballonflug und den höchsten freien Fall. Der bisherige Rekord ist bereits 52 Jahre alt. Am 16. August 1960 sprang der amerikanische Testpilot Joe Kittinger im Rahmen des Projekts Excelsior aus 31'333 Metern Höhe – und landete sicher.

Den Rekord für den längsten freien Fall hat Baumgartner dagegen verpasst. Nach 4 Minuten und 18 Sekunden Flug und einigem Trudeln zog er den Fallschirm und schwebte zielgenau zu Boden. Joe Kittinger hatte bei seinem Sprung vor 52 Jahren den Schirm erst nach 4:36 Minuten geöffnet. «Es war sehr schwierig, aber ich war immer bei Bewusstsein», erklärte Baumgartner kurz nach dem Sprung gegenüber Servus TV, dem Konzernfernsehen des Getränkeproduzenten Red Bull, der das ganze Unternehmen finanziert hat. Das Durchbrechen der Schallmauer hat der Springer – wie von den Experten erwartet – nicht gespürt. «Ich war dauernd damit beschäftigt, meine Lage zu stabilisieren.»

Betreuung rund um die Uhr

Das Unternehmen Überschallsprung war seit sieben Jahren minutiös vorbereitet worden. Baumgartner stand die modernste Ausrüstung zur Verfügung: eine stratosphärentaugliche Druckkapsel, ein eigens für ihn hergestellter Druckanzug und ein ausgefeiltes lebenserhaltendes System. Alle Komponenten waren redundant ausgelegt.

Ein hoch professionelles Team von Wissenschaftlern und Weltraumexperten betreute den Extremsportler rund um die Uhr. Ein erster Rekordversuch in Roswell vor einer Woche musste wegen zu starker Winde abgebrochen werden. Auch gestern musste der Start zuerst um vier Stunden verschoben werden. Der Versuch war ein Thriller, der sich über Stunden hinzog.

Problemloser Aufstieg

Auch die letzten 24 Stunden vor dem Start waren im Detail durchgeplant. Bereits um 15.06 Uhr hatte sich Felix Baumgartner in die Druckkapsel gesetzt und die Funkverbindungen zu seinem Mentor und Vorgänger Joe Kittinger getestet. Doch erst um 17.30 Uhr wurde der Heliumballon losgelassen.

Der Aufstieg verlief problemlos, mit 10 bis 20 Metern pro Sekunde stieg der Ballon himmelwärts und erreichte nach gut zwei Stunden 39 Kilometer Höhe. Dann führte das Bodenteam Baumgartner per Funk durch eine 35 Punkte umfassende Checkliste. Zuletzt öffnete der Springer die Tür der Druckkapsel, erhob sich aus seinem Sitz, salutierte ein letztes Mal und sprang.

Etwas Besonderes

«Es ist, als sei eine Last von 20 Tonnen von mir gefallen», sagte Baumgartner, wieder am Boden. Dass der Sprung etwas Besonderes für ihn war, hatte er vor dem ersten Versuch zugegeben. «Am ängstlichsten fühlte ich mich, als ich das letzte Mal vor dem Countdown zu schlafen versuchte, als alles ruhig war und nur ich mit meinen Gedanken da war.»

Der gebürtige Salzburger lebt heute mit seiner Freundin Nikki in Arbon. Seit 1997 ist er professioneller Basejumper. Zu seinen bisher verrücktesten Taten gehören ein Sprung vom 509 Meter hohen Wolkenkratzer Taipei 101 in Taipeh sowie von der Christus-Statue in Rio de Janeiro. («Tages-Anzeiger») (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.10.2012, 07:25 Uhr

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