So funktioniert der bombensichere Ganzkörperanzug

Aktualisiert am 11.03.2010

Der oscargekrönte Film «Hurt Locker» zeigt Bombenentschärfer im Irak. Das gibt es auch real. Männer in dicken Anzügen setzen ihr Leben aufs Spiel. Und hoffen, dass die Technik sie vor dem Tod bewahrt.

1/4 Ein Bild geht um die Welt: Der oscargekrönte Film «Hurt Locker» zeigt den Job der Bombenentschärfer.

   

«Der Rausch des Kampfes wird oft zu einer mächtigen und tödlichen Sucht. Denn Krieg ist eine Droge.» Mit diesem Zitat von Chris Hedges, Kriegs-Korrespondent und Journalist der «New York Times» beginnt der Film «Hurt Locker». Mehr kühlen Kopf bewahren, als tödliche Sucht verspüren, müssen wohl die Bombenentschärfer im richtigen Leben. Möglich machen soll dies ihre «Lebensversicherung», der bombensichere Anzug. Und der hat nach dem Oscar-Erfolg das Augenmerk auf sich gezogen. In Internet-Foren wird gefachsimpelt, ob die Darstellungen im Film wahrheitsgetreu waren und wie der Anzug wohl funktioniert.

Journalist John Pavlus von Device.com, einer Technologie-Website, wollte es genau wissen. Er hat sich den Anzug von einem Ingenieur, Pravit Borkar, der solche Schutzkleider für die Sicherheitsfirma HighCom Security entwickelt, erklären lassen. Der Spezialist sagt auch, wo «Hurt Locker» realistisch ist, und wo nicht.

Druckwelle abfangen

Grundsätzlich gehe es darum, in einem ausgeklügelten Schutzsystem einerseits die Druckwelle einer Explosion abzufangen, so der Experte. Die zweite wichtige Funktion sei, heranfliegende Materialteile zu blocken. Was die Druckwelle betrifft, verweist Borkar auf den Schluss der Auftaktszene im Film. «Wir sehen da den Bombenentschärfer, wie er zu Boden geschmettert wird, bevor er von Schuttteilen getroffen wird.» Das ist die Wirkung der Druckwelle einer Explosion. Und die kann tödlich sein – durch Kollabieren der Lunge.

Um dieser Wucht entgegenzuwirken, verwenden Borkar und seine Kollegen ein Material, dass umso härter wird, je massiver der Druck wirkt. Das verwendete Material heisst bei Technikern Aramid, auch bekannt unter dem Markennamen Kevlar des Chemieriesen DuPont. Hinter dieser Aramid-Schicht folgt eine Lage Kunststoff-Schaum. Eine Art Knautschzone, so der Ingenieur. Und zwischen dieser und dem Körper des Trägers liegt die dritte Schutzschicht. Ein Geflecht aus Aramid-Fasern. Sie käme einer normalen schusssicheren Weste gleich.

Der Anzug ist schwer, sehr schwer. Bis zu 35 Kilogramm, so Borkar. Und das macht eine Kühlung nötig. Integriert ist also eine Belüftung und eine Pumpe, die fortwährend Eiswasser in einem Schlauchsystem durch die Schutzschichten presst. Man stelle sich vor, dass der Träger im Irak durchaus bei 40 Grad Celsius arbeiten muss. Die integrierte Batterie für den Betrieb der Pumpe liefert gleichzeitig Strom für das Kommunikationssystem, eine Videokamera und Lampen.

Kein 100-prozentiger Schutz

Das sonst positive Urteil Borkars über den Realitätsgrad des im Film verwendeten Anzugs, erhält beim Helm eine Ausnahme. Dem Ingenieur ist aufgefallen, dass der «Hurt Locker»-Kopfschutz abstehende Teile habe. Diese würden bei einer Explosion sofort abgerissen. Alle Teile des Anzugs, von dem Fussschutz bis zu den Handschuhen und dem Helm überlappen einander. Das gibt Stabilität und lässt doch Bewegung zu. Besonders auffällig sei dies beim hochstehenden Kragen zu erkennen.

Obwohl alles getan werde, um mit einem solchen Anzug grösstmöglichen Schutz zu bieten, kann der Tod des Bombenentschärfers nicht ausgeschlossen werden. Das ist auch die Ausgangssituation des Films. Sergeant Thompson stirbt bei der Räumung einer getarnten Bombe.

Der Weltrekord über 1000 Meter

Übrigens: Weil der Anzug so schwer ist, haben sich US-Soldaten einen Spass daraus gemacht, zu messen, wie lange sie für einen Kilometermarsch brauchen. Der aktuelle Rekord liegt bei 9 Minuten und 58 Sekunden. Zum Vergleich, der schnellste Mann läuft diese Distanz in 2 Minuten und 12 Sekunden. Auch sah Borkar einen Unterschied zur Realität. Die Leute im Film hätten sich viel zu schnell bewegt. (cpm)

Erstellt: 11.03.2010, 14:57 Uhr

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