Muss London seine Flugzeugträger-Träume versenken?

Aktualisiert am 01.03.2010

Die HMS Queen Elizabeth und ihr Schwesterschiff sollen dereinst der neue Stolz der britischen Marine werden. Spektakulär ist das Projekt, gewaltig die Pläne, gross die Absturzgefahr.

1/5 Existiert bis jetzt nur auf dem Papier: Britischer Flugzeugträger vom neusten Typ. Als HMS Queen Elisabeth und HMS Prince of Wales sollen sie 2016 respektive 2018 in See stechen.
Bild: Keystone

   

Was wäre Grossbritannien ohne seine Kriegsmarine? Den Status einer Weltmacht hatten die Briten erreicht. Und das fast ausschliesslich durch ihre Vorstösse über die hohe See. Und zur Verteidigung des Imperiums mussten nicht selten die grossen Kreuzer herhalten. Nicht vergessen ist die Seeschlacht von Trafalgar, in der Admiral Lord Nelson mit der HMS Victory als Flaggschiff erfolgreich den Angriff der Franzosen abwehrte. Heute ist der Kahn als Museumsschiff in Portsmouth zu bewundern.

Noch nicht für das Museum bestimmt, sind die Pläne für die beiden neuen Flugzeugträger HMS Queen Elizabeth und HMS Prince of Wales. Sollte sich in der Politik der Widerstand gegen die milliardenteuren Kähne allerdings verstärken, drohen sie als Modelle in Portsmouth zu landen.

Im Schatten der Franzosen und Amerikaner

Die britische Kriegsmarine verfügt derzeit über drei Flugzeugträger. Die Schiffe der Invincible-Klasse sind mit 20'000 Tonnen aber nur ein Fünftel so gross wie die grössten Kolosse der Amerikaner (Nimitz-Klasse). Und auch gegenüber den Franzosen stehen die Briten im Schatten. Der Flugzeugträger Charles de Gaulle ist noch immer doppelt so gross, wie ein Träger der Briten.

Zeit also, für das stolze Königreich ein neues Flaggschiff zu bauen. An den Plänen wird seit über zehn Jahren geschmiedet. 65'000 Tonnen sollen die beiden neuen Schiffe wiegen. Transportieren sollen sie 40 Kampfjets und 25 Hubschrauber gleichzeitig. Für 1500 Seeleute gibt es Platz an Bord. Es wären die grössten, je in Europa gebauten Kriegsschiffe. Vorgesehen ist eine Wasserung des ersten Trägers HMS Queen Elizabeth im Jahr 2016. Die HMS Prince of Wales soll zwei Jahre später folgen.

Es wird bereits geschweisst

Und als hätten die Promotoren des ambitionierten Projekts die Finanzkrise und die Budgetsorgen des britischen Staatshaushaltes vorausgesehen, wurden bereits Zehntausende Tonnen Stahl bestellt. Selbst mit den Arbeiten hat man schon angefangen. Seit dem letzten Juli wird geschnitten und geschweisst. Federführend ist der Rüstungskonzern BAE Systems.

Verstummen wollen aber nicht die Stimmen, welche auf einen Stopp des Programms drängen. Zu teuer und für eine Armee, die im Binnenland Afghanistan kämpft, unnötig, tönt es von den Gegnern. Tatsächlich verschlingt der Bau der beiden Schiffe knapp fünf Milliarden Pfund, umgerechnet knapp acht Milliarden Franken.

Geld gegen Jobs

Gewartet wird in London nun auf einen Bericht über die künftige Verteidigungsstrategie Grossbritanniens. Damit die Schiffe aber nicht noch zum Thema des Wahlkampfs werden, kommt das Papier erst nach den Wahlen auf den Tisch. Das gibt dem Projekt noch etwas Luft. Und genau darauf setzen die Bauer von BAE Systems, dem zweitgrössten Rüstungskonzern der Welt. Der «Point of no return» sei bereits erreicht, heisst es dort. Die Kosten, das Projekt einzustellen, wären viel zu hoch. Ob man sich da nicht täuscht, ist abzuwarten. Schon einmal hat das britische Verteidigungsministerium das Projekt verschoben, als die veranschlagten Kosten von 3,9 auf 5 Milliarden heraufgesetzt wurden.

Das derzeit wohl schlagkräftigste Gegenargument zum Stopp des Baus liefert nun die konservative Zeitung «Telegraph». «Kann es sich Grossbritannien überhaupt leisten, die 5 Milliarden teuren Flugzeugträger nicht zu bauen?», titelte das Blatt gestern. Gemeint sind natürlich die im Moment so dringend benötigen Jobs. Auf 10'000 wird die Zahl derzeit geschätzt. Es könnten aber auch 15'000 werden, verteilt auf verschiedene Standorte über ganz Grossbritannien. Und Folgeaufträge über Service und Reparatur wären für die nächsten 30 bis 50 Jahre garantiert.

Kauft Indien eines?

Die Schlacht um die Seekolosse ist in vollem Gang. Definitiv entschieden wird wohl erst nach den Wahlen. Vielleicht kommt es ja auch zu einem Kompromiss. Laut unbestätigten Quellen könnte eines der Schiffe nach Indien verkauft werden. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die ehemalige Kolonie könnte das Geld, welches London fehlt, für das teure Kriegsschiff aufbringen. (cpm)

Erstellt: 01.03.2010, 15:39 Uhr

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