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Ein Land im Höhenrausch

Von Bernhard Odehnal, Wien. Aktualisiert am 15.10.2012

Stundenlang wurde die Mission von Felix Baumgartner live übertragen. Vor allem die österreichische Presse feierte ihren neuen Nationalhelden mit prominenter Berichterstattung. Zuvor war schon gespottet worden.

1/14 Die Mission ist geglückt: Felix Baumgartner nach seinem Sprung aus 39 Kilometer Höhe. Foto: Redbullcontentpool

   

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Schon sehr lange nicht war Fernsehen so ein kollektives Erlebnis in Österreich wie an diesem Sonntagabend. Vermutlich war es so ähnlich bei der ersten Mondlandung 1969 – mit dem nicht unbedeutenden Unterschied, dass damals kein Österreicher in der Kapsel sass.

Gestern aber fieberten Millionen mit dem neuen Nationalhelden mit, und sie hatten dabei die Auswahl zwischen den Livetickern sämtlicher Printmedien sowie zwei Fernsehkanälen. Neben dem privaten Servus TV von Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz übertrug auch der ORF live.

«Genau zur Primetime»

Dass ein öffentlich-rechtliches Medium sein gesamtes Programm spontan ändert und über sieben Stunden Sendezeit dem Werbeprojekt eines privaten Konzerns zur Verfügung stellt, dürfte ziemlich einmalig in der Mediengeschichte sein.

Ebenso der Jubel des Moderators, der Baumgartners Landung um exakt 20.15 Uhr mit den Worten kommentierte: «Genau zur Primetime, besser konnte das Timing nicht sein.»

Letzte Chance

Im Vergleich dazu wirkte sogar das hauseigene Fernsehen von Red Bull zeitweise distanziert. Dort konnte der Moderator zumindest ganz kurz seine Enttäuschung nicht verbergen, dass Baumgartner den Fallschirm zu früh geöffnet und damit den Weltrekord im freien Fall verpasst hatte. Man kann halt nicht alles haben, und die erreichten Rekorde reichten bei weitem, um eine mit sportlichen Erfolgen nicht gerade verwöhnte Nation in kollektive Glücks­gefühle zu versetzen.

Für Felix Baumgartner und seinen Getränkedosen-Sponsor war der Sonntag allerdings auch die letzte Chance, das ­Abenteuer als Helden zu beenden. Nach dem gescheiterten Start vergangenen Dienstag wich die Ehrfurcht vor der Kühnheit des Unterfangens langsam, aber ­sicher Spott und Häme.

Dauerhafter Werbeeffekt

Baumgartner-Witze und Karikaturen machten die Runde, die Zeitungen schrieben nicht mehr über die technischen Details von Raumanzug und Kapsel, sondern über die exorbitanten Kosten des Projekts.

Mehr als 50 Millionen Dollar soll der Sprung aus der Stratosphäre gekostet haben. Anderseits: Bei einem jährlichen Werbebudget von über einer Milliarde Dollar dürfte das für Red Bull verkraftbar sein. Baumgartners Flug dauerte zehn Minuten, die Dauer des Werbeeffekts kann in Jahren gemessen werden. Die Boulevardzeitung «Österreich» titelte auf ihrer Homepage: «Ein Sprung für die Ewigkeit». (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.10.2012, 08:28 Uhr

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